DMXControl im York Kassel - Kassels angesagtestem Club

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Dieser Bericht wird länger ausfallen

Mit diesem Thema möchte ich euch, liebe DMXControl-Community, an einem Projekt teilhaben lassen, welches mein Bruder und ich gemeinsam gestartet haben. Dieses besagte Projekt „DMXControl im York Kassel“ hat das von uns erklärte Ziel, im York in Kassel die Lichtsteuerungssoftware auf DMXControl umzustellen – und zwar konzipiert als Live-Lichtsteuerung. Gleichzeitig ist sicherlich nicht nur für uns selbst interessant herauszufinden, wo die Grenzen von DMXControl liegen – sofern es welche gibt. Immerhin sind zukünftig etwa 110 Geräte mit insgesamt 576 Kanälen verteilt auf zwei Universen zu steuern.

Aufgebaut als Bericht / Tagebuch, sollt ihr das gesamte Projekt mit allen Höhen und Tiefen sowie Reaktionen und Feedbacks der anderen LJs des Yorks, der Verantwortlichen und natürlich auch der Gäste mitverfolgen können – von der ersten Idee über vorbereitende Maßnahmen, Testläufe bis zur endgültigen Umstellung. Auch möchte ich hier eventuelle Feature-Wünsche mit beschreiben und erläutern, wieso dieser Wunsch entstanden ist.

Alles in allem wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen! Beste Grüße, Stefan von den LightningBrothers.

Einleitung

Wie alles begann

Mein Bruder und ich sind dem gleichem Hobby verflossen – der Licht- und Veranstaltungstechnik. Vor allem in den letzten beiden Jahren haben wir gemeinsam eine nette Lichtanlage aufgebaut – gesteuert natürlich mit DMXControl und dem FX5-Interface. Im Zuge von verschiedenen Auftritten und dem Zukauf von Lichteffekten (sei es MovingHeads oder nur LED-PARs) haben wir für das Live-Licht-Machen ein – würde ich sagen – ausgeklügeltes System zur Programmierung und Steuerung mit DMXControl entwickelt. So stellten wir auch schnell fest, dass zum Steuern von vielen verschiedenen Effekten (halt wegen dem Live-Licht-Machen) die Kommandobox zwar sehr gut geeignet ist, aber das Anwählen der Effekte mit der Maus auf Dauer nicht praktikabel ist und legten uns von daher einen 21,5“-Touchscreen zu. Aber dazu später mehr.

Das erste Mal als LJ im Club

Letztendlich war es mein Bruder, der die Gelegenheit beim Schopf packte und in einem anderen Club seine ersten Erfahrungen als LJ sammeln durfte und konnte. Diesen ersten Einsatz ist es zum Beispiel zu verschulden, dass wir uns für unsere eigene Lichtanlage ein Masterkeyboard zugelegt haben. Gleichzeitig kam aber auch der Gedanke bei meinem Bruder auf, sich nebenberuflich als LJ in diesem Club zu engagieren. Aber wie der Zufall es wollte, ist dieser Gedanke im Sande verlaufen.

Vom Stöbern im Internet zum Job als LJ

Zufällig entdecke mein Bruder beim Surfen im Internet auf der Internetseite des Soda Cassel (www.soda-cassel.de [1]) eine Annonce, dass zur Verstärkung des Personals neben Thekenkräften und Personal für Kasse und Garderobe auch LJs gesucht wurden. Kurzerhand bewarb sich mein Bruder um die ausgeschriebene Stelle als LJ. Es dauerte nur wenige Tage und mein Bruder erhielt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Dabei stellte sich schnell heraus, dass sich der zukünftige nächtliche Arbeitsplatz nicht nur im Soda befinden wird – sondern auch im York Kassel (www.my-york.de [2]).

Erste Erkenntnisse

Unmittelbar direkt nach der Zusage wurde auch gleich ein Termin zum Einarbeiten in die Lichtanlagen der beiden Clubs vereinbart. An diesem Abend war Diskohopping, das heißt einmal Eintritt, drei Clubs (York, Soda und Club 22). Diese Gelegenheit lies ich mir dann nicht entgehen, als verantwortungsvoller großer Bruder an diesem Abend sich mal unauffällig unter die Leute zu mischen, um die zukünftigen Arbeitsplätze zu besuchen – und um dabei auch mal gleich einen Blick auf die Lichtanlagen zu werfen. Bei einem ausführlichen Gespräch am nächsten Tag wurden dann gleich die technischen Rahmendaten rund um die Lichtanlage ausgetauscht.

Gleichzeitig kam während des Gesprächs auch schnell zum Vorschein, dass die PC-Steuerung im York wohl nicht so das Wahre sei. Es ist eine ziemliche „Klickparty“, wodurch schnelle Wechsel von Effekten nicht möglich sind – selbst obwohl nicht allzu viele Effekte vorhanden sind. Ein Touchscreen ist zwar vorhanden, jedoch fehlt eine auch für Wurstfinger bedienbare Touchoberfläche. Insofern kursiert unter den LJs und dem für die Programmierung zuständige Schichtleiter eine gewisse Unzufriedenheit mit der jetzigen Situation. Und da war bei meinem Bruder und mir die Idee geboren, im York in nicht allzu ferner Zeit eine neue DMX-Steuerungssoftware einzuführen – und zwar DMXControl!

Ausgangssituation

Was so alles angesteuert wird

Bislang wird im York für die Steuerung des ersten DMX-Kreis ein PC mit einem 20“-Touchscreen (1600 x 900 Pixel), Maus, Tastatur und die Software DMXWizard mit dem Eurolite USB-512-Interface verwendet. Für den zweiten DMX-Kreis steht neben dem PC ein Elation DJ Partner. Auf Grund der hohen Geräteanzahl und der doch nicht zu unterschätzenden Distanz vom DJ-Pult zu den Geräten ist im jeden DMX-Kreis je ein Splitter eingebaut.

Am ersten DMX-Kreis hängen folgende Geräte:

  • 65 Eurolite SLS-400 RGB, 5-Kanal-Modus Kurzform SLS
  • 4 ClayPaky Miniscan HPE, 7 Kanäle Kurzform MIS
  • 4 Eurolite TSL-100, 8 Kanäle Kurzform TSL
  • 2 Eurolite TMH-8, 14 Kanäle, Kurzform TMH (seit 24.03.2012)
  • 2 Eurolite PS-36 RGB, 5 Kanäle Kurzform P36
  • 2 PAR56 via 1-Kanal-Dimmpacks, 1 Kanal Kurzform PAR
  • 2 Futurelight PHF 1000, 7-Kanal-Modus Kurzform PHF



Folgende Geräte können über den zweiten DMX-Kreis angesteuert werden:

  • 25 Eurolite PST Scan 3W, 5-Kanal-Modus Kurzform LBS
  • 4 Eurolite LED PAR-56 RGB Spot, 6 + 1 Kanäle Kurzform LED
  • 2 Eurolite LED PAR-64 RGB, 6 Kanäle Kurzform LEB



Im Folgenden werde ich anstelle der langen Gerätebezeichnung überwiegend nur noch die Kurzform der jeweiligen Geräte verwenden – der Mensch ist halt schreibfaul. Die Kürzel haben aber auch noch einen anderen Zweck. Diesen Zweck werde ich später genauer erläutern, wenn ich unsere Vorgehensweise bei der Programmierung vorstelle.

Neben dem PC für die Lichtanlage steht noch ein zweiter PC, ebenfalls mit einem 20“-Touchscreen, Maus und Tastatur ausgestattet. Zusätzlich ist hier noch ein Icon I-Control angeschlossen, ein kleiner MIDI-Controller mit Fadern, Drehregeln, Tasten und kleinem Joystick. Hiermit wird via Madrix eine LED-Wand gesteuert. Da dieses System komplett separat läuft und zurzeit keine Verknüpfung geplant ist, wird in diesem Bericht hierauf nicht weiter eingegangen.

Wie sieht das Ganze im Club aus

Im York gibt es im großen Raum bzw. Main Floor in Bezug auf die Lichtsteuerung zwei wesentliche Bereiche. Ein Bereich befindet sich über der Tanzfläche, der zweite und kleine Bereich ist die Bühne am Ende des langen Raums hinter einer Theke.

Über der Tanzfläche sind die 65 SLS in einer Matrix mit fünf Pixeln quer zum Raum (im Folgenden als Spalten bezeichnet) und mit 13 Pixeln längs zum Raum (Reihen) angeordnet. Dazwischen wurden mit fünf Geräten pro Spalte die 25 LBS gleichmäßig über die gesamte Länge der Matrix mit den SLS verteilt. Ebenfalls wurden die beiden PHF innerhalb der Matrix untergebracht. Sie sind in der mittleren Reihe montiert. Die vier TSL befinden sich jeweils paarweise an der langen Seite der Matrix am Rand. An der zum DJ-Pult liegenden langen Seite der Matrix sind die beiden P36 auf selbiges gerichtet.

Die Anzahl der Geräte für die Bühne ist deutlich weniger, aber dafür befindet sich hier auch das markanteste Element des Yorks – die LED-Wand. Oberhalb der LED-Wand sind die vier MIS horizontal liegend nebeneinander angebracht. Auf der Bühne sind rechts und links je eine Gogo-Stangen. In unmittelbarer Nähe zu den Stangen sind im Bühnenboden Gitter eingelassen, durch die jeweils ein LEB die Tänzerinnen von unten anstrahlt. Zum Schluss sind an der zur Bühne gerichteten kurzen Seite der Matrix zwei PAR montiert, welche die Bühne entsprechend in der Gesamtheit ausleuchten können.

Auf der Internetseite vom York gibt es zudem ein paar nette Videos, der den Club von innen in bewegten Bildern zeigt – jedoch mit der alten Programmierung. Des Weiteren sind auch viele Bildergalerien von den Veranstaltungen verfügbar, auf denen man neben den vielen Gästen auch immer wieder mal den gesamten Club sieht.

  • Video von der Wieder-Eröffnung des Yorks nach der Renovierung am 26.11.2010 bei Youtube [3]
  • Video der Veranstaltung Misch Masch Mash vom 26.02.2011 bei Youtube [4]



Vorbereitungsphase

Das York erstmals in DMXControl

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Ausgestattet mit den Gerätebezeichnungen hat mein Bruder sich dran gemacht und Magic 3D EasyView die Umgebung des Yorks vermittelt. Auf dieser Basis eröffnete ich das Projekt in DMXControl Mitte Juli 2011. Mein Bruder hatte mir kurz zuvor die Rückmeldung gegeben, dass eine gewisse Unzufriedenheit mit der vorhandenen Lichtsteuerungssoftware vorherrscht und die Verantwortlichen für etwas Neues durchaus offen wären.

Ziemlich schnell standen im DMXControl die ersten Effekte für die SLS, die LBS folgten kurze Zeit später. Mit wenigen Stunden Programmieraufwand und dem Punkt geschuldet, dass die LBS nun alle einzeln ansteuerbar sind, war sehr schnell der Effektumfang und die Wirkung der vorhandenen Steuerung der LBS über den DJ Partner um ein vielfaches überboten. Mit diesem Stand ruhte das Projekt dann erst einige Zeit. Ich war nicht unbedingt gewollt im wahrsten Sinne des Wortes im Blindflug Effekte für alle Geräte des Clubs zu programmieren, bevor mein Bruder und ich im Rahmen eines Live-Tests entsprechende Rückmeldungen erhalten hatten. Doch dann stand der erste Testlauf schneller in der Tür, als wir geplant hatten.

Wir wollen testen

Auch hier bedurfte es wieder einem kleinen Umweg, damit wir unseren ersten Testlauf im York mit DMXControl durchführen konnten. Doch der Reihe nach.

Im Soda Cassel findet in regelmäßigen Abständen die Planet Radio Club Party statt. Zu diesem Anlass gehören auch Auftritte von Gogo-Tänzerinnen. Zur „effektvollen“ Beleuchtung der Gogo-Tänzerinnen sind im Soda zwei LED-PAR 56 auf die Tanzpodeste gerichtet, die über im Soda ebenfalls vorhandenen DJ Partner gesteuert werden. Bislang fungierte der DJ Partner im wahrsten Sinne des Wortes nur als Ein-Aus-Schalter für die LED-PAR 56 – und zwar für die Farbe weis bei voller Helligkeit.

Im August stand wieder eine Planet Radio Club Party im Soda auf dem Programm, auf der mein Bruder diesmal als LJ tätig war. Zum Auftritt der Gogo-Tänzerinnen schalte mein Bruder die LED-PARs ein, um auch die Aufmerksamkeit des Publikums in Richtung der Tänzerinnen zu richten. Auf Grund der auf maximal programmierten Helligkeit der LED-PARs war dies kein Problem: Die LED-PARs erhellten nicht nur die Podeste der Tänzerinnen vorzüglich, sondern leider auch den restlichen Club. Daraufhin wandte sich der Verantwortliche von Planet Radio an meinen Bruder, ob die Strahler denn auch noch andere Farben oder Helligkeiten könnten. In dieser Hinsicht musste mein Bruder ihn leider enttäuschen. Die bisherige Programmierung des DJ Partners lies dies nicht zu.

Zwei Monate später, im Oktober, war im Soda wieder eine Planet Radio Club Party inkl. Gogo-Tänzerinnen angesetzt, bei dieser mein Bruder wieder als LJ arbeitete. Aber diesmal sollte dieser Abend in Bezug auf die beiden LED-PARs anders verlaufen.

Wegen hessischen Herbstferien hatte das Soda an diesem Wochenende nicht wie sonst nur am Samstag, sondern zusätzlich auch am Freitag geöffnet. Für die Freitagabend-Veranstaltung wurde mein Bruder ebenfalls als LJ eingeteilt. Bepackt mit Laptop und dem DE-Interface wurde am Freitag vor der Party Kanalsuche am DJ Partner betrieben. Ziel dieser Übung war es, alle erforderlichen Informationen zu erhalten, um die am DJ Partner angeschlossenen Geräte mit DMXControl steuern zu können. Am Samstag nach dem Ausschlafen stand innerhalb von wenigen Stunden in DMXControl ein kleines Projekt, mit diesem dann neben den beiden LED-PARs auch der im Soda verbaute Laser um einiges effektvoller betrieben werden kann.

Beim kurzen Testlauf vor der Öffnung der Tore war der zuständige Techniker der Betreibergesellschaft, der an diesem Samstagabend als einer der zwei DJs im Soda arbeitete ganz erstaunt, dass mit dem Laser ja nun auf einmal in Bezug auf die Effekte mehr möglich ist. Und auch die Verantwortlichen von Planet Radio waren sehr angetan, dass aus den LED-PARs nun „besseres Licht“ raus kommt.

Am Ende dieser Party wechselte mein Bruder mit dem Techniker noch ein paar Worte: es gab eine sehr positive Rückmeldung, auch in Bezug auf der erstmalige Ansteuerung der Geräte mit DMXControl. Mein Bruder unterbereitete ihm, dass wir für das York ebenfalls etwas in Petto hätten und bereit für einen Testlauf wären. Mit der Zusage seiner Unterstützung vereinbarte mein Bruder wenige Tage später einen Termin den ersten Live-Test unseres DMXControl-Projekts im York Kassel – dem angesagtesten Club der Stadt!

Die Zeit vor dem ersten Live-Test

Nachdem nun die Termine für den ersten Testlauf feststanden, musste nochmal intensiv am Projekt in Sachen Programmierung gearbeitet werden. Die vorhandenen Effekte waren bis dato nur über den Effektsequenzer aufzurufen, was für das Live-Licht-Machen logischerweise nicht praktikabel ist. Und auf das „Niveau“ von DMXWizard wollten wir uns nicht herablassen, da man ja mit DMXControl eine schöne Kommandobox erstellen kann – wo wir auch gleich beim passenden Thema wären: wie muss die Kommandobox für das York aussehen?

Wir wussten bis dahin mittlerweile sehr genau die Anzahl und vor allem die Bezeichnung der Geräte. Auch hatte ich selbst eine grobe Vorstellung, welche Effekte für die einzelnen Geräte ganz gut passen sollten. Zum Thema Programmierung der Effekte (wie auch bereits eingangs erwähnt) möchte später nochmals gesondert und ausführlich drauf eingehen.

Jedenfalls musste für den ersten Testlauf eine funktionelle Kommandobox her, die von vornherein (auf der ersten Seite) die wichtigsten Geräte und den zugehörigen Effekten enthält. Also erstellte ich eine kleine Excel-Tabelle mit der entsprechenden Anzahl an Zeilen und Spalten. Im York müssen auf dem 21,5“-Touchscreen neben der Kommandobox auch das Hauptfenster, der Grandmaster und das Beattool zugänglich sein. Da der Touchscreen „nur“ eine Auflösung von 1600 x 900 Pixeln hat, einigten wir uns auf eine Kommandobox-Größe von 14 Zeilen und 14 Spalten. Als nächstes Stand die Frage im Raum: wie belegen wir nun die 196 Buttons? Trotz dieser hohen Anzahl wurden wir das Gefühl nicht los, dass es sehr knapp werden würde. Kurzer Vergleich: momentan sind im York mit dem DMXWizard etwa 40 Effekte programmiert – und wir kommen mit 196 Buttons (auf der ersten Seite) nicht aus?! Naja, es muss halt irgendwie gehen. Man muss an dieser Stelle dazu sagen, dass der für die Programmierung zuständige Schichtleiter im York nicht die Zeit hat, die Programmierung im DMXWizard zu erweitern und zu optimieren.

Nach der guten Erfahrung mit unserem eigenen Projekt einigten wir uns also, die Effekte für die jeweiligen Geräte in spaltenweisen Gruppen anzuordnen. So kamen wir nach ersten Überlegungen zum Beispiel auf fünf Spalten für die SLS, zwei für die TSL, drei für die LBS, drei für die MIS und je eine Spalte für die LED und für allgemeine Effekte. Nachdem dies geschafft war, waren die Effekte für die LBS schnell zuerst in Excel und dann auch auf die entsprechenden Buttons der Kommandobox verteilt.

Mit dieser Programmoberfläche waren wir bereits für die ersten beiden Live-Testläufe. Zudem hatte mein Bruder im Zuge der Erstellung der Kommandobox noch ein paar kleine Programmierfehler aufgedeckt, die mir unterlaufen waren. Bislang hatte ich ja nur mit der Visualisierung in EasyView programmiert, doch nun sollte ich meine Arbeit erstmals live in der Realität sehen. Ich war ja sowas von aufgeregt!



Testläufe Teil 1

Tag 1 - Freitag, 21.10.2011 oder: Die Sache mit den Erfahrungswerten und dem geschulten Auge

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An diesem Abend war im Rahmen eines Testlaufs der erste Live-Einsatz von DMXControl im York geplant. Mein Bruder und ich haben uns im Vorfeld darauf verständigt, „klein“ anzufangen und erst mal nur den zweiten DMX-Kreis mit den 25 PST-Scans mit DMXControl zu steuern. Gut gelaunt und optimistisch fanden wir uns bereits um 20:45 Uhr am Eingang ein, um in Ruhe die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen. Gegen 21:00 Uhr kam auch der für diese Nacht zuständige Schichtleiter dazu und wir konnten den Club betreten.

Zu den erforderlichen Vorbereitungen gehörte neben dem Herrichten des Arbeitsplatzes – für diesen und nächsten Abend kam zu den beiden vorhandenen PCs noch der eigene Laptop hinzu – auch die Änderung der Kanäle der LBS. Nach dem Umstellen der ersten drei Geräte machten wir wie geplant einen Testlauf und ich startete ein Lauflicht. Doch es blieb alles dunkel!?! Aber wieso? Nun, dass ist die Sache mit dem geschulten Auge und Erfahrungswerten. Nach einem genaueren Betrachten der verbauten Geräte und nach einem Blick in die Bedienungsanleitung war das Problem doch schnell gefunden. Wir sind ursprünglich davon ausgegangen, dass im York 25 LED Beam Scan von American DJ verbaut wurden. Tatsächlich hängen im York aber 25 Eurolite PST Scan 3W unter der Decke. Von außen her scheinbar baugleichen Geräten kam bei einem genaueren Blick in die jeweiligen Bedienungsanleitungen der kleine, aber dennoch nicht nebensächliche Unterschied zum Vorschein. Beide Geräte haben einen Fünf-Kanal-Modus, jedoch sind der vierte und fünfte Kanal in Bezug auf die Funktion vertauscht. Somit war der erste Testlauf an dieser Stelle beendet. Ein kleines Trostpflaster war aber dann noch, dass zumindest die Bewegungen funktionierten.

Also nutzen wir die verbliebene Zeit bis zum Einlass, um sicherheitshalber nochmal die Bezeichnung aller eingesetzten Geräte mit den zugehörigen DMX-Adressen schriftlich festzuhalten. Dabei stießen wir noch auf zwei einsame LED PAR-56, von denen vielleicht nur der für die Programmierung zuständige Schichtleiter wusste. Mit ein bisschen Fummelei – für diese beiden war auf die Schnelle keine Bedienungsanleitung aufzutreiben – waren die DMX-Kanäle richtig eingestellt.

Gegen 23:00 Uhr war mit Einlass der Gäste für diesen Abend meine Pflicht und Schuldigkeit getan und habe mich auf dem Heimweg gemacht. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, dass die LBS am nächsten Abend laufen.

Tag 2 - Samstag, 22.10.2011 oder: Auf ein Neues

Um die Programmierung der Lauflichter anzupassen, waren letztendlich nochmal ca. drei Stunden Arbeit zu investieren. Zuversichtlich, dass an diesem Samstagabend alles klappen würde, trafen wir wieder um 20:45 Uhr ein. Nach dem kleinen Misserfolg vom vorherigen Abend machten wir uns auf ein Neues dran, die Kanäle an der LBS umzustellen. Für die Freitagabend-Veranstaltung musste ja zwangsweise der DJ-Partner herhalten, auf dem alle 25 Geräte mit derselben Adresse programmiert sind.

Mit drei umgestellten Geräten führten wir wieder einen Testlauf durch – aber diesmal zu unserer Freude erfolgreich. Folglich machte sich mein Bruder dran, auch bei den restlichen Geräten die Kanäle umzustellen. Vermutlich haben wir an diesem Abend erstmals nach dem Einbau der Geräte die Möglichkeit geschaffen, jeden der 25 LBS einzeln anzusteuern. Dies ist halt der Situation geschuldet, dass ein DMX-Universum für alle aufgehängten Geräte einfach nicht ausreicht und der DJ Partner nicht genügend Kanäle verarbeiten kann.

Jedenfalls begann nach einem zweiten erfolgreichen Testlauf – diesmal mit allen Geräten – der zweite Teil der Vorbereitung: das Feinjustieren software- und hardwareseitig. Auf der Hardwareseite haben wir allen 25 Geräten dieselbe Kopfneigung verpasst und den Abstand zwischen den Lichtkegeln gleich eingestellt. Softwareseitig mussten in DMXControl nun alle Bewegungsszenen in Bezug auf Aktionsbereich (Wertebereich) und Geschwindigkeit an die Umgebung bzw. an die Geräte angepasst werden. Dies nahm dann doch mehr Zeit in Anspruch als geplant. Diese Einstellungen waren mehr oder weniger dann doch im Dunkeln und erst ca. eine halbe Stunde nach Einlass zufriedenstellend gesetzt. Während dessen füllte sich langsam aber sicher die Tanzfläche und die Vorfreude auf eine gewissermaßen besondere Nacht (aus Sicht des LJ) stieg mit jedem ankommenden Gast.

Tag 3 - Freitag, 28.10.2011 oder: Immer noch "nur" zweiter DMX-Kreis

2011-10-28 york im easyview komp.jpg
Die Terminplanung sah vor, dass mein Bruder insgesamt an drei aufeinander folgenden Abenden als LJ im York eingeteilt war. Das bedeutete, wir haben drei aufeinander folgende Abende, an denen wir unser Projekt live testen konnten. Es ersparte uns bzw. besser gesagt meinem Bruder zum einen das Umstellen der LBS, zum anderen konnte ich unter der Woche am Projekt weiter feilen und schleifen. Beim zweiten ersten richtigen Livetestlauf hatten wir zwar die vier LED über der Tanzfläche und die beiden LEB unter der Bühne ins Projekt eingebunden, aus Zeitgründen aber noch keine Effekte programmieren können. Somit fand an diesem Freitag der zweite Live-Testlauf statt, allerdings immer noch „nur“ im zweiten DMX-Kreis – aber mit neuen und vor allem Aufsehen erregenden Effekten.

Für die LBS hatte ich nämlichen einen Effekt programmiert, bei dem die vier Buchstaben „Y“, „O“, „R“ und „K“ nacheinander aufblitzen und ausfaden. Dieser Effekt war eigentlich auch schon beim ersten Live-Test verfügbar, nur kam dieser auf Grund einer inkonsistenten Platzierung der LBS in DMXControl im Vergleich zur Realität nicht gut rüber. Die Buchstaben waren einfach breit und daher für die Besucher beim Betreten des Raums nicht zu erkennen. Nachdem dieser nun in die richtige Richtung gedreht wurde, ist dieser bei einer relativ leeren Tanzfläche sehr gut zu erkennen – sogar auf Handyvideos. Ich selbst war an diesem Abend nicht vor Ort, aber dank eines kurzen Videos von meinem Bruder konnte ich die Wirkung selbst sehen. Und auch der Schichtleiter hat sofort sein Handy gezückt, ein kleines Video gedreht und es gleich an weitere Personen verteilt.

Die eigentliche Party verlief dann reibungslos. Mein Bruder hatte über keinerlei Ausfälle geklagt. DMXControl hat in dieser Nacht wieder zuverlässig seinen Dienst getan. An diesem Abend hat sich aber gezeigt, was eine gute Lichtsteuerung ausmacht – nämlich dass diese nicht über mehrere Systeme verteilt ist. Da an diesem Abend die Steuerung des zweiten DMX-Kreises ebenfalls über den Laptop meines Bruders lief, hatte er letztendlich drei verschiedene Computer und eine kleine Controlereinheit für die Strobes zu bedienen. Schnelle Wechsel oder Blackouts waren auf diese Weise (noch) nicht möglich, da beide Lichtsteuerungs-Computer überwiegend mit der Maus bedient werden mussten. (Zur Erinnerung: Am Computer vom York mit dem DMXWizard ist zwar einen Touchscreen angeschlossen, jedoch besitzt der DMXWizard keine mit der Kommandobox von DMXControl vergleichbare und intuitiv bedienbare Bedienoberfläche.) Trotz dieses temporären Handling-Problems wissen wir aber nun, dass der zweite DMX-Kreis bereits bereit für den Einsatz von DMXControl ist.

Programmier-Konzept

Ich habe nun bereits mehrfach angekündigt und verwiesen, dass ich in einem gesonderten Abschnitt auf unser Programmier- und Steuerkonzept eingehen werde. Dieser Abschnitt soll mit die noch vorhandene Lücke schließen.

So halten wir Ordnung

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Szenebibliothek sortierte szenen komp.jpg
Nachdem wir mit unserem privaten DMXControl-Projekt für unsere eigene Lichtanlage die Funktions- und Arbeitsweise verstanden hatten, wie der Hase bei DMXControl läuft, sind wir relativ schnell dazu übergegangen, bereits beim Programmieren Ordnung zu halten. Dies erfolgt bei uns auf zweierlei Weise: zum einen befolgen wir beim Benennen und Programmieren von Effekten ein festes, selbst ausgedachtes Schema. Zum anderen Sortieren wir die Effekte für ähnliche Geräte (-gruppen) in der gleichen Reihenfolge. Wie sieht das Ganze nun im Detail aus?

Unser Benennungsschema für die einzelnen Effekte besteht aus zwei großgeschriebenen Buchstabenblöcken mit jeweils drei Buchstaben und dann dem eigentlichen Namen des Effekts. Der erste Buchstabenblock gibt die Gerätegruppe an, dessen Name ich in der Regel von der Gerätebezeichnung ableite (siehe Tabelle unten). Der zweite Block kategorisiert den Effekt. Erst nach diesen beiden Buchstabenblöcken erfolgt die eigentliche Benennung des Effekts. Auf diese Weise erkennt man bereits im Effektsequenzer ohne zusätzliche Angaben, für welche Gerätegruppe der Effekt programmiert ist und zu welcher Effektkategorie er gehört. Darüber hinaus ergibt sich für die Szenebibliothek eine gewisse Sortierung der einzelnen Szenen: Wenn der Haken „Szenen alphabetisch sortieren“ aktiviert ist, stehen somit die Szenen für die jeweilige Gerätegruppe und Effektkategorie aufeinanderfolgend beisammen. Für das DMXControl-Projekt für das York verwende ich für die Gerätegruppen und Effektkategorien folgende Abkürzungen:


1. Buchstabenblock
Gerätegruppe

2. Buchstabenblock
Effektkategorie
SLS
Eurolite SLS 400 RGB

BLI Blinder
TSL Eurolite TSL 100 STR Strobe
LBS Eurolite PST-Scan 3W HEL Helligkeit (Geräte-) Masterdimmer
MIS Clay Paky Miniscan HPE LLI (Masterdimmer) Lauflicht-Effekte
LED Eurolite LED-PAR 56 (Tanzfläche) SHU Shutter
LEB Eurolite LED-PAR 64 (Bühne) EFF Allgemeiner Effekt
PAR PAR56 FAB Grundfarbe
P36 Eurolite PS 36-10 RGB FAW Farbwechsel-Effekt
PHF Futurelight PHF 1000 BEW Bewegung


POS Position


GEF Gobo-Effekte


NEB Nebel-Effekte


BLK Blackout-Effekte


SSE Schnellstart-Effekte


LST Lichtstimmung



Ohne Gruppen wären wir aufgeschmissen

Grundlegendes

Wie die Überschrift schon lautet: ohne Gruppen wären wir aufgeschmissen. Da das Projekt für das Live-Licht-Machen konzipiert ist, muss gewährleistet sein, dass mit wenigen Klicks (egal via Touchscreen, Tastatur oder zur Not auch mit der Maus) schnell Effekte gewechselt oder auch abgeschaltet werden können. Es ist nicht förderlich, immer jeden Effekt einzeln anhalten zu müssen, bevor ein anderer ausgeführt wird. Mit der Funktion nur ein Effekt pro Gruppe ausführen in Verbindung mit der Option letzte Werte übernehmen können wir dieses Problem jedoch umgehen und wir erhalten schnelle Wechsel mit „sauberen“ Übergängen. Unter einem sauberen Übergang verstehe ich hier z. B. das Überblenden zu anderen Effekten – egal ob Grundfarbe oder Farbwechsel-Effekt.

Unsere Vorgehensweise bei der Gruppeneinteilung

Effektsequenzer effektgruppen komp.jpg
Vor allem die länger laufenden Effekte wie zum Beispiel Grundfarben / Farbwechsel-Effekte, Bewegungen / Position habe ich meist in Abhängigkeit zu den jeweiligen Gerätegruppen und Effektkategorien in Gruppen zusammengefasst.

So sind bei den MIS und bei den TSL Positionen zusammen mit den Bewegungen jeweils einer Gruppe zugeordnet. Die Namen für diese beiden Gruppen lauten dann TSL BEW POS und MIS BEW POS. Es ist zu sehen, dass ich auch bei der Benennung auf die eingeführten Kürzel für die Gerätegruppen und Effektkategorien zurückgreife. Folglich kann ich an den Gruppen ebenfalls erkennen, welche Effekte für welche Geräte enthalten sind. Bei manchen Gruppen füge ich noch die Bezeichnung Gruppe 1, Gruppe 2 etc. ein, je nachdem, wie viele Effekte ich für die Gerätegruppe und Effektkategorie programmiert habe oder ob es in Bezug auf das Handling des oder der Effekte erforderlich ist.

Worauf ich ganz strikt noch achte, ist, dass die Zuordnung eines neuen Effekts zu einer Gruppe erst nach der Fertigstellung des Effekts erfolgt. Da die Gruppenbezeichnung in die Benennung der einzelnen Szenen mit übernommen wird, wären die daher Szenennamen unnötigerweise länger als erforderlich. Zudem könnte allgemeine Verwirrung auftreten, wenn ich einzelne Szenen mehrfach in verschiedenen Effekten verwende, die Effekte jedoch einer anderen Gruppe zuordnet sind. Durch diese Vorgehensweise erhalte ich eine weitestgehend gruppenneutrale Szenebibliothek.

Helles und dunkles Licht

Der Einstellmöglichkeit der Helligkeit für die einzelnen Gerätegruppen kommt eine essentielle Bedeutung zu. Aus der Erfahrung heraus zeigte sich, dass die zum Beispiel SLS zu 90% eher mit Helligkeiten zwischen 0% und 10% gefahren werden und diese zusätzlich sehr feinfühlig eingestellt können werden müssen, gleichzeitig soll aber der Programmieraufwand gering bleiben.

Die verworfene Variante

In der ersten Variante für die Steuerung der Helligkeit für die Gerätegruppen habe ich für alle einzelnen Gerätegruppen (sofern möglich bzw. erforderlich) Helligkeitseffekte mit den Stufen 0%, 30%, 70% und 100% erstellt. Der Effekt mit 0% dient dabei zum Ausschalten der Effekte aus der Effektkategorie HEL. Bei ausgewählten Gerätegruppen wie den SLS ist innerhalb der Gruppe SLS HEL zusätzlich der Effekt SLS HEL variabel enthalten. Grundsätzlich unterscheidet sich dieser Effekt nicht vom Effekt SLS HEL 100%. Jedoch liegt bei diesem Effekt der Intensitätsregler auf einem Submasterregler, worüber folglich die Helligkeit der SLS variiert werden kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Effekt wie oben angesprochen der Gruppe SLS HEL zugeordnet ist und ich dadurch keine neue Gruppe aufmachen musste, wo wieder Effekte zum Abschalten der Gruppe benötigen würde. Außerdem können die Farbwechsel-Effekte auf diese Weise über den Submaster geflasht werden, wie es bisher auch mit dem DMXWizard möglich ist.

Im Rahmen der Vorbereitung für den zweiten Live-Test stellte sich jedoch heraus, dass diese Variante doch nicht so ganz das Wahre ist. Vor allem beim Umschalten zwischen Lauflicht-Effekten und Farbwechsel-Effekten waren bei dieser Variante zu viele Klicks erforderlich. Denn bei Lauflicht-Effekten musste auch der jeweilige Helligkeits-Effekt aus sein im Gegensatz zu den Farbwechsel-Effekten, wo die Geräte ohne das Starten einen der Helligkeits-Effekte nichts ausgeben würden.

Die neue komfortable Variante

Die neue Variante haben wir uns gewissermaßen von den Scannern abgeschaut bzw. haben diese den Stein des Anstoßes gegeben.

Bei dieser Variante erhalten die Intensitätsregler des Effektsequenzers in Verbindung mit der Option Gruppiert einen ganz anderen Stellenwert. Nach einer Diskussion mit meinem Bruder haben wir beschlossen, dass die Helligkeits-Effekte mittels Befehlen nur noch Werte an die Submaster senden und die Regler wiederum die Intensitätsregler der Lauflicht-Effekte beeinflussen.

Blackout- & Nur-Effekte

Effektsequenzer blackout-effekte komp.jpg
Neben der Steuerung der Helligkeiten der LLI-Effekte (Lauflicht-Effekte) habe ich noch zwei weitere Effekt-Varianten, mit denen es hell oder dunkel werden kann. Die Rede ist hier von Blackout-Effekten oder die gegenteilig arbeitenden Nur-Effekte. Insbesondere die Blackout-Effekte sollen die Tanzfläche dunkel machen – aber nicht komplett, sondern immer nur bestimmte Gerätegruppen. Sinn und Zweck der Blackout-Effekte gegenüber dem hauseigenen Blackout ist neben der bereits beschriebenen Möglichkeit, jede Gerätegruppe individuell dunkel zu schalten auch die Option, einzelne Gerätegruppen durch Auswählen von Farben, Bewegungen und anderen Effekten auf die nächste Songpassage vorzubereiten und dann gezielt wieder hinzu zu schalten. Um dieses Feature zu realisieren, mache ich mir Funktion Effekten bestimmte Prioritäten zuzuordnen zu nutze.

Die Blackout-Effekte haben direkt nicht die höchste Priorität. Ich habe die Priorität der Blackout-Effekte so gesetzt, dass trotz aktiviertem Blackout Strobe- und Blinder-Effekte bei den Geräten ankommen. Genau aus diesem Grund habe ich den hauseigenen Blackout durch einen eigenen Blackout-Effekt ersetzt, um zu jedem Zeitpunkt auf alle Fälle mit Strobe- und Blinder-Effekten arbeiten zu können – denn auch während eines Blackouts müssen durchaus Akzente gesetzt werden.

Die Nur-Effekte sind wie oben angedeutet ebenfalls gewissermaßen Blackout-Effekte, bestehen diese Effekte ja nur aus Befehlen, die wiederum alle Blackout-Effekte starten – ausgenommen von der Gerätegruppe, die hinter dem Wort „Nur“ steht. Mit den Nur-Effekten soll immer nur die gewählte Gerätegruppe aktiv sein und somit der Fokus sich auf diese Geräte konzentriert.

Effektreich

Effekttechnisches Hintergrundwissen

Um den eingesetzten Geräten einen Effekt zu entlocken, müssen bei unserem Programmierkonzept zwei Effekte aus zwei verschiedenen Effektkategorien gestartet werden. Der erste Effekt entstammt der Kategorie LLI bei LED-PARs beziehungsweise bei MovingLights ein Effekt aus der Kategorie SHU (Shutter-Effekt). Hinzukommt ein Effekt aus der Kategorie FAB (Grundfarbe) oder FAW (Farbwechsel-Effekt). Auf den ersten Blick sieht das vielleicht komplizierter aus, auf den zweiten Blick bietet diese Vorgehensweise eine höhere Flexibilität und zwar in dreierlei Hinsicht:

  • In Verbindung mit unserem Konzept zur Regulierung der Helligkeit der einzelnen Gerätegruppen können alle Effekte mit maximaler Helligkeit programmiert werden.
  • Jedes Lauflicht (LLI- oder SHU-Effekt) kann mit jeder Farbe arbeiten.
  • Ohne zusätzlichen Programmieraufwand entstehen neue FAW-Effekte, wenn diese gemeinsamt mit einem LLI- bzw. SHU-Effekt aufgerufen werden.

Die wichtigste Voraussetzung für dieses Konzept ist es, dass bei den LLI- bzw. SHU-Effekten keine Farben bzw. das Farbrad angesprochen wird. Gleiches gilt für die Programmierung der FAB- bzw. FAW-Effekte.

Im Zuge der Erstellung der Effekte ergeben sich dann für einen Großteil folgende Gemeinsamkeiten:

  • Der überwiegende Teil der Szenen der LLI-, SHU-, FAB- und FAW-Effekte sind mit einer bestimmten Einblendzeit versehen.
  • Bis auf wenige Ausnahmen sind die Effekte beatgesteuert und wiederholen sich. Durch die gesetzte Einblendzeit und die Option beatgesteuert wird der Speedmaster bei diesen Effekten effektiv gesehen zum „Fademaster“: über diesen Regler kann die Fadezeit variiert werden.
  • In den Szenen werden immer alle Geräte einer Gerätegruppe angesprochen. Dadurch kann direkt zwischen den Effekten innerhalb einer Gruppe umgeschaltet werden.

LLI- bzw. SHU-Effekte

Die LLI- bzw. SHU-Effekte sind für sich genommen erst mal dunkle Lauflichter. Für diese dunklen Lauflichter werden nur die geräteseitigen Masterdimmer oder der virtuelle Dimmerkanal (sofern der geräteseitige Masterdimmer nicht vorhanden ist) angesprochen. Sollte insbesondere ein MovingLight auf einen anderen Kanal zusätzlich noch die Einstellmöglichkeit für den Shutter selbst besitzen, so wird dieser Kanal wie auch die Farbkanäle nicht in den LLI- bzw. SHU-Effekten angesprochen. Die Werte für den Shutter werden über separate Effekte gesetzt. Diese Vorgehensweise ist damit begründet, dass ein Faden zwischen den einzelnen Schritten nicht möglich ist, sobald der Shutter-Kanal im LLI-Effekt angesprochen wird.

FAB- und FAW-Effekte

Die FAB- und FAW-Effekte sind die hellen Lauflichter. Grundsätzlich werden bei beiden Effektkategorien immer alle Farbkanäle der Geräte einer Gerätegruppe angesprochen. Der einzige Unterschied liegt in der Arbeitsweise dieser Effekte. Während die FAB-Effekte statisch mit einer Szene eine Farbe setzen, kommt bei den FAW-Effekten mittels mehrerer Szenen Dynamik ins Spiel – der Farbwechsel.

Beispiele für effektreiche Effekte

Farbflash

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Farbflash-Effekte sind in meinem Sprachgebrauch Effekte, bei dem aus einer Reihe an Scheinwerfen ein einzelner Strahler im Takt der Musik aufleuchtet und dann langsam herunterdimmt. Je nachdem wie lang die Zeit zum Herunterdimmen gewählt ist oder wie hoch der BPM-Wert ist, sind immer mehrere Strahler an.

Um diesen Effekt zu erhalten, erstelle ich für jeden Strahler diesen oben beschriebenen Farbflash-Effekt. Um den richtigen Farbflash-Effekt zu erhalten, werden im Haupteffekt mittels Befehlen die einzelnen Effekte zufällig und beatgesteuert gestartet.

Pulsierend

Letztendlich könnte man auch sagen, der Effekt pulsierend ist eine Art Blinder-Effekt. Bei diesem Effekt leuchten mehrere Strahler im Takt der Musik auf und werden anschließend wieder heruntergedimmt. Ich persönlich finde diesen Effekt besonders bei den Scannern sehr passen.

Um diesen pulsierenden Effekt zu erhalten, erstelle ich einen Effekt mit zwei Szenen. Mit der ersten Szene wird eingeblendet und ggf. die eingestellte Helligkeit kurz gehalten. Mit der zweiten Szene werden die Strahler logischerweise wieder heruntergedimmt. Bei der Haltezeit der zweiten Szene ist der Wert auf Beat gesetzt. Somit sind die Strahler immer bis zum nächsten Beat dunkel und leuchten dann kurz auf.

York

Der bereits oben erwähnte YORK-Effekt ist auf die gleiche Weise wie Effekte pulsierend erst, nur mit dem Unterschied, dass dieser Effekt ein paar mehr Szenen hat. Grundsätzlich sind es insgesamt acht Szenen, bis alle vier Buchstaben einmal aufgeleuchtet haben. Damit aber der Beginn des Wortes YORK zu erkennen ist, habe ich dem Effekt noch zwei Leerschritte zusätzlich spendiert. Die Leerschritte sind die Szenen, mit denen die LBS heruntergedimmt werden.

Welle

Wer denkt, dass sich Bewegungsszenen nur einsetzten lassen, um die Bewegungen von Scannern oder MovingHeads zu steuern, der irrt sich. Mit Bewegungsszenen lassen ebenso gut schöne, vor allem sehr weiche Lauflichter erstellen. Man braucht einfach nur wie in diesem Beispiel die Gerätedimmer statt der Pan- und Tilt-Kanäle auswählen. Alles andere ist dann wie gehabt bei „echten“ Bewegungsszenen. Es wird eine passende Figur ausgesucht, Mittelpunkt und Größe eingestellt und die gewünschten Offsets zwischen den einzelnen Schritten gesetzt.

Aus der Erfahrung heraus kann ich berichten, dass sich für Wellen-Effekte besonders der Kreis als Ausgangsfigur bewährt hat. Den konstanten Fade erhalte ich, wenn ich die Anzahl der Schritte der verwendeten Figur durch die Anzahl der verwendeten Geräte in der Bewegungsszene teile und dieses Ergebnis immer als Differenz zwischen zwei Schritten bei den Offsets für die Geräte einstelle. Verringere ich die Differenz zwischen den einzelnen Schritten wird die Welle folglich kürzer und die Zeit zwischen zwei Wellen erhöht sich.

Befehle über Befehle

Viele Effekte schnell starten und beenden

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Gruppen bieten ja den Vorteil, dass bei gesetzter Funktion nur ein Effekt pro Gruppe läuft. Dennoch können bei neun Gerätegruppen mit etwa drei bis sechs Effektkategorien schnell so viele Effekte laufen, dass man diese nicht mehr schnell wieder beenden kann. Um dies aber dennoch zu ermöglichen, gibt es zum einen für jede Effektgruppe einen Effekt aus einer Reihe von Befehlen, der alle lichtausgebenden Effekte für die jeweilige Gerätegruppe ausblendet.

Wie zum Abschalten von Effekten, so verwende ich auch Befehle-Effekte zum Starten von mehreren Effekten. Das Stichwort lautet hier Lichtkompositionen, sprich einzelne, aufeinander abgestimmte Lauflichter (egal ob bunt oder einfarbig) werden gemeinsam mit passenden Bewegungen für die Scanner etc. gestartet. Auf diese Weise können bedingt durch die in Gruppen zusammengefassten Effekte sehr schnelle Wechsel vollzogen werden – und das Ganze mit nur einem Finger-Klick.

Gleiche Farbe für alle

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Im Bereich der Grundfarben arbeite ich ebenfalls mit Effekten, die nur Befehle beinhalten. Um für alle Geräte die gleiche Grundfarbe einzustellen, habe ich für diesen Punkt für die jeweilige Farbe einen nur aus Befehlen bestehenden Effekt erstellt, der wiederum alle entsprechenden Effekte der jeweiligen Gerätegruppe startet. Dies hat den Vorteil, dass zum Beispiel im Falle eines Fehlers nur eine Szene überprüft werden muss. Zum anderen liegt keine Doppelbelegung bei den Grundfarben vor, wenn für eine Gerätegruppe dann trotzdem eine andere Farbe ausgewählt wird.

Jeder Effekt beinhaltet zusätzlich ganz zum Schluss die Szene GES FAB Leerschritt. In dieser Szene ist zum einen die Haltezeit manuell hinterlegt. Zum anderen gewährleistet diese Szene, dass keiner der vorangegangenen Befehle für die Dauer des Effekts ausgeführt wird, gleichzeitig aber die Rückmeldung in der Kommandobox vorhanden ist, dass dieser Effekt gerade läuft.

Farbflash-Verschachtelung

Die aufwendigste Verschachtelung von Befehle-Effekten findet jedoch bei den so genannten Farbflash-Effekten statt, speziell bei den SLS. Ich habe mir die Mühe gemacht und für jeden der 65 SLS den oben beschriebenen Farbflash-Effekt programmiert. Um aber mehr als einen SLS mit jedem Beat aufleuchten zu lassen, musste ich nun wie angedeutet Befehle-Effekte mit Befehle-Effekten verschachteln. Hierzu werden die Haupteffekte, welche beatgesteuert über einen Befehl die einzelnen Farbflash-Effekte starten selbst von einem aus mehreren Befehlen bestehenden Effekt gestartet. Auf diese Weise leuchten bei jedem Beat immer fünf SLS auf, da in den eigentlichen Haupteffekten jeweils eine Reihe (bestehend 13 SLS) zusammengefasst ist. Kurzum: mit einem Haupteffekt werden hier fünf untergeordnete Effekte gestartet, die wiederum beatgesteuert die Farbflash-Effekte für die einzelnen SLS aufrufen.

Schichtleiter-Button

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Die Programmierweise der Effekte für die Schichtleiter-Buttons ähnelt der für die Schnellstart-Effekte. Hinter den Schichtlichter-Buttons steckt die Idee, mit einem Klick die gesamte Lichtanlage in Betrieb zunehmen, bis zu einem späteren Zeitpunkt der LJ eintrifft.

Aus der großen Liste an Effekten für die jeweiligen Gerätegruppen habe ich für die Schichtleiter-Buttons abgestimmte Effekte ausgewählt. Neben dem Start von ausgewählten Effekten werden aber auch die Helligkeits-Werte in den Submastern, die Fadezeit über den Speedmaster und ein Takt im Beattool gesetzt.

Unser Programmierkonzept des gesamten Projekts ermöglicht es den LJs, später einfach die Kontrolle zu übernehmen, indem direkt die gewünschten Effekte gestartet werden. Ein großartiges Abschalten der gestarteten Effekte durch den Schichtleiter-Button ist nicht erforderlich.

Lichtstimmungen

Die LST-Effekte sind sozusagen abgewandelte und zu jedem Zeitpunkt verwendbare Schichtleiterbuttons. Beide Male wird eine Lichtstimmung mit aufeinander angestimmten Effekten erzeugt. Die LST-Effekte schalten nur Effekte. Weitere Parameter wie der BPM-Wert, die über den Speedmaster einstellbare Fadezeit oder die Helligkeiten der Gerätegruppen werden dagegen nicht verändert. Auch die Blackout- und Nur-Effekte werden von den LST-Effekten nicht berührt, sodass auch ein Umstellen der Lichtstimmung im Dunklen (also während eines Blackouts) möglich ist.

Ebenso wie bei den Schichtleiter-Buttons behält man auch nach dem Starten eines LST-Effekts die volle Kontrolle über das Projekt. Die LST-Effekte bestehen aus einer Reihe von Befehlen, die wiederum Effekte aus dem Effektsequenzer starten oder beenden. Für das Beenden eines Effekts werden die für jede Effektkategorie verfügbaren Aus-Effekte gestartet. Um den Effekt innerhalb einer Effektkategorie zu ändern, starten auch die LST-Effekte einfach nur einen anderen Effekt. Ist die Lichtstimmung binnen eines Wimpernschlags gesetzt, kann man sofort wieder von der eigentlichen Lichtstimmung abweichen und z. B. andere Farben oder Farbwechsel starten. Oder man aktiviert direkt einen der Blackout-Effekte für die Gerätegruppe, die aktuell nicht benötigt wird.

Unser Kommandobox-Konzept

Die wichtigste Komponente nach den verschiedenen Effekten ist bei diesem Projekt die Kommandobox. Da die Bedienung ja zum einen via Touchscreen und zum anderen von mehreren LJs erfolgen wird, erfordert der Aufbau ein gewisses und nach Möglichkeit für alle nachvollziehbares Konzept. Mit anderen Worten: es darf kein Chaos herrschen, jeder muss den Überblick behalten können.

Bevor ich die Kommandobox in DMXControl programmiert habe, erstellte ich mir erst mal eine Excel-Tabelle, mit deren Hilfe ich das Kommandobox-Konzept ausgearbeitet habe. Zurzeit ist ja das Verschieben von Buttons in DMXControl mal so eben nicht möglich – es sind halt ein paar mehr Klicks als in Excel von Nöten.

Gemeinsam mit meinem Bruder einigte ich mich auf die optimale Größe für die Kommandobox. 14 Spalten und 14 Zeilen sollten es dann sein. Mit diesen Informationen startete ich also die Erstellung des Konzepts für die Kommandobox.

Buttons

Platzierung

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Ein Kriterium war: wie verteile ich eigentlich die Effekte vernünftig über die verfügbaren 196 Buttons? Mein Bruder als Bediener bzw. Anwender warf hierzu ein, dass die Effekte für die verschiedenen Gerätegruppen auch auf der Kommandobox in einem Block entsprechend zusammen stehen sollten. Des Weiteren sollten die einzelnen Effekte einer Effektkategorie untereinander angeordnet werden, wobei die Effekte zum Ausblenden der jeweiligen Gruppe am unteren Ende der Liste stehen. Diesbezüglich hatten wir mit der Kommandobox für unsere eigene Lichtanlage gute Erfahrungen gemacht. Im weiteren Verlauf der Konzepterstellung entwickelte ich auch noch eine Idee zum Anordnen der Effekte für die jeweilige Gerätegruppe. So sind in der Kommandobox Blinder- und Strobe-Effekten in einer Spalte immer untereinander platziert. Ebenso sind die Grundfarben, egal ob LED-PAR oder Scanner, in einer Spalte immer in der gleichen Reihenfolge untereinander angeordnet.

Innerhalb eines Blocks für eine Gerätegruppe stehen die einzelnen Spalten in ähnlichen Bezügen zueinander. Ein Block für eine Gerätegruppe ist wie folgt aufgebaut (sofern entsprechende Effekte mit der jeweiligen Gerätegruppe möglich sind):

  • 1. Spalte: Blinder- und Strobeeffekte
  • 2. Spalte: Grundfarbe
  • 3. Spalte: Masterdimmer-Effekte (für einfarbige Lauflichter)
  • 4. Spalte: Farbwechsel-Effekte (bunte Lauflichter)

Start und Start / Stop

Damit unser Programmierkonzept aufgeht, zwingen wird die LJs förmlich durch eine Definition der Buttons in der Kommandobox, nach unserem Programmierkonzept zu arbeiten. Denn wie bereits in den vorherigen Abschnitten erwähnt, ist der überwiegende Teil der Effekte so aufgebaut, dass ein weiches Umschalten zwischen ihnen möglich ist – besser gesagt innerhalb einer Effektkategorie für eine bestimmte Gerätegruppe. Diesen Zwang erreichen wir auf eine ganz einfache (und vor allem schmerzfreie) Weise: Soweit wie möglich werden Effekte über die Kommandobox nur gestartet. Damit man aber die Effekte aus wieder aus bekommt, ist in jeder Effektkategorie für die jeweilige Gerätegruppe ein einfacher, sich nicht wiederholender Aus-Effekt enthalten, der über die Kommandobox gestartet wird. Startet man diesen Effekt, werden die betreffenden Kanäle in Abhängigkeit der Stellung des Speedmasters auf null gefadet – und wir erhalten ebenso wie beim Umschalten zwischen den Effekten auch beim Ausschalten einen weichen Übergang.

Farben

Um bei 196 Buttons pro Seite nicht den Überblick zu verlieren, durfte die Kommandobox nicht einheitlich grau bleiben. Zwar sind die einzelnen Effekte zwar am Namen zu unterscheiden, für den Alltag wäre diese Tatsache unbefriedigend. Daher sind die Buttons mit ähnlichen Effekten unabhängig von der Gerätegruppe in der gleichen Farbe eingefärbt. Die vornehmlich blassen Farben habe ich nicht direkt nach einem bestimmten Schema ausgesucht. Vornehmlich bei den Blinder- und Strobeeffekten sowie bei den Effekten für Steuerung der Gerätehelligkeiten habe ich annähernd passende Farben gewählt, wie zum Bespiel weiß, ein helles gelb oder ein helles blau.

Mit kräftigen Farben sind zum einen die Buttons zum Einstellen einer Grundfarbe hinterlegt. Zum anderen sind die Buttons zum Stoppen von Effekten einer Gruppe, zum Stoppen aller Effekte für eine Gerätegruppe sowie die Buttons zum Umschalten der einzelnen Seiten der Kommandobox mit kräftigen Farben koloriert. All diese Buttons sollen durch die Farbe entsprechend herausstechen und gewissermaßen die Botschaft vermitteln: „Achtung, hier passiert etwas mehr.“ Daher sind auch die Buttons zum Stoppen aller Effekte für eine Gerätegruppe rot hinterlegt.

Mehrere Seiten

Da ich bei der Erstellung des Kommandobox-Konzeptes schnell feststellte, dass ich mit einer Seite (sprich 196 Buttons) nicht auskommen werde, beschloss ich, mit mehreren Seiten zu arbeiten. Um die Anzahl an Seitenwechseln gering zu halten, machte ich folgende Festlegungen:

  • Von der Startseite (der ersten Seite) der Kommandobox sind alle wichtigen Geräte mit ausgewählten Effekten bedienbar. Selten genutzte Geräte wie z. B. die LEB, PAR oder die P36 werden auf der ersten Seite nicht auftauchen.
  • Die zweite Seite beherbergt alle Effekte für die statischen Geräte, sprich SLS, LED, LEB, PAR und P36. Auf dieser Seite sind für die einzelnen Gerätegruppen auch weitere Effekte verfügbar, die aus Platzgründen auf der Startseite nicht enthalten sind.
  • Mit der dritten Seite wird das komplette bewegte Licht gesteuert, wozu die LBS, MIS und TSL gehören. Genauso wie bei der Seite für das statische Licht sind auch auf dieser Seite für das bewegte Licht mehr Effekte verfügbar.


Testlauf Teil 2

Mit unserem zweiten Testlauf hat es nun doch länger gedauert, als wir angedacht hatten. Ursprünglich wollten wir den zweiten Testlauf bereits Ende November durchführen, jedoch ließ sich dies aus organisatorischen Gründen nicht realisieren. So wurde der zweite Testlauf nun in der zweiten Januarwoche 2012 angesetzt und zwar ganz entspannt unter der Woche.

Bereits in der Vorbereitung für den ursprünglich geplanten Testlauf im November gab es nennenswerte Veränderungen und Ergänzungen im Projekt zu verzeichnen. Unter anderem hatte ich die Kommandobox ergänzt und Effekte für die MIS und TSL programmiert. Dafür blieben Arbeiten am Projekt im Dezember aus und somit drehte das Projekt auf der Festplatte dort erst mal fröhlich seine Runden.

In den Abendstunden des neuen Jahrs nahm ich mir das Projekt nochmal vor, nachdem nun auch der Termin für den zweiten Testlauf feststand. Zwischenzeitlich hatte ich nämlich unser privates Projekt für eine Veranstaltung auf Vordermann gebracht und dort nette neue Features eingebaut (Stichwort variable Helligkeit oder Blackout-Effekte), die nun auch im York-Projekt zum Einsatz kommen sollten. Darüber hinaus fehlten noch ein paar Effekte in der Kommandobox und das Farbschema musste ebenfalls an verschiedenen Ecken aktualisiert werden.

Im York selbst fanden in der Zwischenzeit wie gewohnt Partys statt – allesamt beleuchtet mit dem DMXWizard. Besonders an einem Abend wollte dieser nicht so richtig und hängte sich dreimal auf. Bei einem Mal musste sogar der PC komplett neu gestartet werden. Glücklicherweise konnte mein Bruder an diesem Abend (noch) auf den DJPartner zurückgreifen. Dieser Umstand ließ mich dann doch ein wenig aufhorchen und wir vereinbarten, den DJPartner nach Möglichkeit weiterhin als Backup zu behalten. Das FX5-Interface, welches wir im Auftrag mittlerweile für das York beschafft hatten, musste es halt nur zulassen, auch bei einem ausgeschalteten PC DMX-Werte durchzulassen. Ob diese Möglichkeit auch in die Tat umsetzen ist? Die Antwort zu dieser Frage steht noch aus. Wichtiger war zu diesem Zeitpunkt, dass es softwareseitig sauber läuft.

Tag 1 – Montag, 09.01.2012

Start des ersten Teils des zweiten Testlaufs war Montagmorgen, 9:00 Uhr. Ausgestattet mit eigenem Laptop, eigenen Touchscreen und dem FX5-Interface betraten wir den Main Floor des Yorks. Wir waren doch überrascht, wie viele Personen an diesem Montagmorgen bereits auf den Beinen waren und im Club arbeiteten. Unabhängig von diesem Regen treiben richteten wir uns am DJ-Pult ein – sprich, wir schufen durch das Verschieben der Turntables und des Mixers Platz für unsere eigene Hardware. Wir hatten nämlich im Vorfeld beschlossen, dass wir den PC mit dem DMXWizard so lassen wie er ist und vom Laptop meines Bruders aus die grundsätzliche Funktionsfähigkeit des Projekts überprüfen. Es hätte ja durchaus passieren können, dass die Geräte genau das Gegenteilige von dem machen, was wir wollen und hierdurch bedingt dieser Testlauf ein schnelles Ende gefunden hätte.

Dem war zum Glück aber nicht so. Unser oder besser gesagt mein größtes „Angstobjekt“ – die 65 SLS – arbeiteten so wie sie sollten und führten brav die Effekte aus, die mir parallel hierzu EasyView visuell darstellte. Folglich konnten wir diesen Punkt auf unserer Checkliste abhacken und als erledigt ansehen – zumindest von der Seite, dass ich bisher alles richtig programmiert habe und hieran weiter anknüpfen kann.

Im Anschluss an die SLS widmeten wir uns den Scannern. Die vier TSL über der Tanzfläche waren schnell auf die neue Adresse umgestellt und auch sie führten brav die gewünschten Effekte aus. Wir mussten hardwareseitig lediglich nochmal ein bisschen mit dem Pan- und Tilt-Invert spielen, damit sie in das Programmierkonzept passen. Softwareseitig stand dann das Anpassen der Bewegungen und der Positionen an. Da sich die Dimensionen des Main Floors im EasyView bislang noch nicht exakt abbilden ließen, hatte ich erst mal blind die Grundsteine für Bewegungen und Positionen gelegt, die wir nun vor Ort in die passende Form brachten.

Einen größeren Knackpunkt stellten dagegen die vier MIS oberhalb der Leinwand an der Bühne dar. Dieser war aufgekommen, da es hier große Differenzen zwischen der Softwareseite und der Hardwareseite zu überwinden galt. Bis auf ein defektes Leuchtmittel funktionieren alle vier Geräte einwandfrei. Das Problem war eher der Lage geschuldet, in der die MIS aufgehängt sind und betrieben werden. Alle vier MIS sind nämlich horizontal auf der Seite liegen an der Wand befestigt. Somit ist nicht wie üblich der Pan-Kanal für horizontale Spiegelablenkung zuständig sondern logischerweise der Tilt-Kanal. Hinzukommt, dass zwei der Geräte noch um 180° gedreht sind, um eine symmetrische Platzierung oberhalb der Leinwand zu erhalten. Diese Faktoren schnürten einen schönen Knoten im Kopf. Da aber an sich die Darstellung bezüglich der Positionierung der Scanner im EasyView mit der Realität übereinstimmte, wurde der Knoten im Kopf noch größer und fester. Denn in der Visualisierung machten die MIS das was sie sollten – im Gegensatz zu den echten MIS.

Nach langem hin und her mit Pan- und Tilt-Invert in allen erdenklichen Kombinationen auf der Hard- und Softwareseite stellte sich dann schließlich heraus, dann in der SSL-Datei für den Miniscan HPE im EasyView die Pan- und Tilt-Kanäle vertauscht waren.

Viele werden sich jetzt fragen, warum machen wir so einen Aufstand auf Grund dieser Differenz zwischen EasyView und der Realität? Weil gerade für mich die Visualisierung mit EasyView die einzige Möglichkeit ist, neue Effekte zu programmieren, die dann nur noch einer Anpassung in Höhe, Breite, Mittelpunkt und Laufzeit bedürfen (insbesondere Bewegungsszenen).

Nachdem nun also die Differenzen zwischen der Visualisierung mit EasyView und der Realität abgebaut , wir uns in Bezug auf Pan- und Tilt-Invert auf der Hardwareseite einig waren und sich der Knoten im Kopf so langsam löste, begann ich mit dem Umbenennen und Umprogrammieren der Bewegungsszenen sowie dem Anpassen der Positionen für die MIS.

Die beiden letzten Gerätegruppen, die wir uns an diesem Tag vornahmen, waren die PAR für die Bühne und die PHF. Bei den PARs ging die Umstellung wieder alles schneller von der Hand und auch die beiden PHF reagierten auf ihrer neuen Adresse wie gewünscht. Hier waren nur leichte Modifikationen in den automatischen Nebelprogrammen erforderlich. Unter anderem fehlte ein separater Effekt, der das Heizelement der Nebelmaschinen aktivierte. Grundsätzlich hatten wir uns für die PHF überlegt, timergesteuert die automatischen Nebelprogramme auszulösen, um eine gleichmäßigere Nebelkonsistenz zu erhalten. Bislang hing diese nämlich immer von der Aufmerksamkeit des LJs ab.

Während der ganzen Programmierarbeiten hatte mein Bruder zwischenzeitlich auch auf dem PC für die Lichtsteuerung DMXControl installiert und ein Backup des Projekts aufgespielt. Ein erster Test auf dem PC lief soweit zufriedenstellend. In der Zeit, wo ich am Laptop die Bewegungsszenen für die MIS umprogrammierte, hatte sich mein Bruder das Interface genommen und vom PC aus das Projekt weiter getestet. Da ich zwischendurch immer wieder mal Werte benötigte, habe ich immer wieder mal die Kanalübersicht geöffnet und geschlossen. Ganz unverhofft merkte mein Bruder plötzlich, dass die DMX-Ausgabe ruckelt. Besonders extrem war dies bei den Blinder-Effekten der SLS zu sehen, da hier zeitgleich 65 Kanäle gefadet wurden. So standen wir auf einmal vor einem neuen Problem, dass wir uns so auf die Schnelle erst mal nicht erklären konnten.

Kurzerhand beschlossen wir, DMXControl auch auf dem PC zu installieren, mit dem via Madrix die LED-Wand angesteuert wird. Von diesem PC aus lief zu unserer Freude wie gewünscht und vor allem flüssig. Von dieser Tatsache beeindruck schauten wir uns mal die technischen Kenndaten der beiden PCs an. Es stellte sich heraus, dass zwar beide PCs mit Windows 7 und 2 GB Arbeitsspeicher ausgestattet sind, jedoch werkelt in dem PC für die Lichtsteuerung ein 2-Kern-Prozessor mit je 1,86 GHz während der PC für die Leinwand mit einem 2-Kern-Prozessor mit je 2,97 GHz verbaut ist. Dieser kleine Unterschied machte sich prompt bei der Performance bemerkbar. Mit der Überlegung, die beiden PCs auszutauschen – immerhin kommt ja noch das zweite Universum hinzu – verschließen wir das York am Nachmittag, jedoch nicht ohne Vorheriger Verabredung, dass wir am nächsten Tag nochmal zur gleichen Zeit aufschlagen würden.

Tag 2 – Dienstag, 10.01.2012

Wie verabredet, trafen wir am zweiten Tag wieder gegen 09:00 Uhr im York ein. Im Vorfeld hatten wir uns überlegt, zum einen bei ein bisschen Musik und mit Clubatmosphäre die Programmierung zum ersten Mal live zu testen und zum anderen den einen oder anderen Gobo-Effekt zu programmieren. Denn wie bei soweit allen anderen Effekten auch konnte ich im Vorfeld nur eine erste Auswahl erstellen, um zu sehen wie die jeweiligen Geräte darauf reagieren, die dann nach den am gestrigen Tag erfolgreich durchgeführten Tests weiter ausgebaut wird. Genauso verhielt es sich mit den Gobo-Effekten. Aus der Bedienungsanleitung und aus EasyView waren mit die grundsätzlichen Funktionalitäten des Goborads der TSL und insbesondere der MIS bekannt. Jedoch ist die Bedienungsanleitung oder die Visualisierung nicht in der Lage, die Wirkung vor Ort zu beschreiben bzw. dazustellen.

Doch bevor wir dazu übergehen konnten, hatten wir erst mit einem Wurm zu kämpfen – und zwar einem Wurm in der Hardware. Aus irgendeinem uns nicht erklärlichen Grund wollten an diesem Tag einige Geräte plötzlich nicht mehr so wie wir es gerne hätten und sie es am Vortag auch getan haben. Dieser Wurm hatte aber auch noch zur Folge, dass bei einem vom DMX-Kreis abgestöpselten Interface einige Geräte anfingen, sich selbstständig zu machen. Der gediegene Benutzer kennt ja eigentlich nur die Situation, dass bei einer Unterbrechung des DMX-Signals alle nachfolgenden Geräte in der Kette im wahrsten Sinne des Wortes stehen bleiben.

Auf alle Fälle mussten wir dieses Problem vorrangig beheben. Also begannen wir, an unterschiedlichen Positionen die eigenwilligen Geräte aus dem DMX-Kreis auszuschließen. Dies brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Für die zweite Stufe des Wurm-Finden-Spiels mussten unsere eigenen DMX-Kabel herhalten, die wir auf Verdacht mal eingepackt hatten. Mit den Kabeln speisten wir das DMX-Signal an verschiedenen Punkten in die Kette ein. Nach langem hin und her, vor allem mit dem DMX-Kabel waren schlussendlich erfolgreich und konnten den Wurm aus dem System entfernen. Er hatte sich in einer der Zuleitungen vom Splitter zu den fünf Traversen eingenistet, an denen soweit alle Geräte der Decke befestigt sind. Den Rest des Tages lag das Kabel erst mal provisorisch vom Splitter hoch zur ersten Traverse.

Nach dieser kleinen Fehlersuche konnten wir uns dann wieder der Programmierung und Einrichtung sowie der offenen Fragestellung vom Vortag widmen: Ist es möglich, den vorhandenen PC weiterhin zu Steuerung der Lichtanlage zu verwenden? In den letzten Jahren war dieser PC ja auch ausreichend leistungsstark gewesen, wieso sollte es jetzt mit der Umstellung auf DMXControl anders sein? Gemäß unserem Beschluss von gestern Abend nahmen wir nochmal einen Anlauf. Wir starteten DMXControl, warteten bis alle Fenster und Einstellungen geladen wurden und führen ein Effekt aus – und siehe da, es lief wieder soweit wieder alles so wie es sollte. Nach ein paar Testminuten wollte ich mich dann wieder der Programmierung widmen. Um genau zu schauen, was die MIS so alles auf ihrem Gobo- und Effektrad auf Lager hatten, öffnete ich wieder die Kanalübersicht. Zu diesem Zeitpunkt lief aber auch noch ein Effekt für die SLS. Prompt fing die DMX-Ausgabe wieder an zu stocken. Hatten wir gerade die Ursache für den förmlichen Leistungsverlust gefunden? Entgegen meines Plans, verschiedene Gobo-Effekte zu programmieren, wandten wir uns nochmals dem Leistungsproblem zu. Spontan fielen uns zwei Dinge ein: zum einen DMXControl nochmal neu starten und zum anderen die Leistungseinstellungen von Windows überprüfen. Doch der Reihe nach. Ein Neustart von DMXControl wirkte sich wieder positiv auf die DMX-Ausgabe aus. Sie lief ohne zu stocken, bis ich die Kanalübersicht öffnete. Ich beendete DMXControl und führte die gleiche Prozedur nochmals aus: gleiches Szenario. Sobald die Kanalübersicht geöffnet wurde, brach die DMX-Ausgabe ein. Der zweite Punkt war der Blick auf die Leistungseinstellungen. Hier zeigte sich, dass das Energieprofil nicht den optimalen Einstellungen entsprach. Daraufhin nahm ich hier entsprechende Veränderungen vor, um eine konstant hohe Leistung zur Verfügung zu haben. Im Anschluss führte ich nochmals den Test mit der Kanalübersicht durch. Eine direkte Verbesserung war jetzt nicht zu sehen. Aber auf alle Fälle kannten wir nun die Ursache für diesen Leistungseinbruch und konnten damit entsprechend umgehen: vor dem Livebetrieb gegebenenfalls DMXControl nochmal neu starten, wenn vorher Programmierarbeiten mit Hilfe der Kanalübersicht durchgeführt wurden.

Nachdem nun dieses Problem auch zufriedenstellend geklärt war, wandten wir uns endlich wieder der Programmierung zu – und öffneten als erstes direkt die Kanalübersicht. Die MIS sollten mal zeigen, was sie mit ihrem Gobo- und Effektrad so alles anstellen können. Zu unserer Freude war hier sogar sehr viel möglich. Die Funktionen waren insbesondere mir im Vorfeld schon durch das Studieren der Bedienungsanleitung bekannt, aber das Ganze live und in Farbe zu sehen haute uns doch vom Hocker. Schnell hatten wir eine Hand voll schöne Gobo-Effekte gefunden, die Effekte entsprechend programmiert und die Kommandobox gefüttert. Nach ein paar weiteren Feineinstellungen wollten wir bzw. sollte mein Bruder mal das Projekt live testen.

Wir legten also ein wenig Musik auf, dunkelten das York ab und schmissen die Nebelmaschinen an. Als erstes wurden die neuen Gobo-Effekte ausprobiert. Gerade im Nebel kommen diese (logischerweise) besonders schön zur Geltung. Nach ein paar Minuten testen hatte mein Bruder bereits den ersten Einwand zur Programmierung.

Dieser Einwand bezog sich auf das Konzept zur Steuerung der Helligkeiten der einzelnen Gerätegruppen. Ihm war als Anwender die „Klicksequenz“ zum Wechsel zwischen einfarbigen und mehrfarbigen Effekten zu kompliziert und somit benutzerunfreundlich. Gemeinsam entwickelten wir die einfachere Lösung, welche mit der Kombination Submaster und Intensitätsregler der LLI-Effekte arbeitet (siehe Abschnitt Helles und dunkles Licht). Während ich das neue Konzept zur Steuerung der Helligkeiten der einzelnen Gerätegruppen einarbeitete, nutzte mein Bruder wiederum die Zeit zur Überprüfung der restlichen Programmierung.

Die zweite kleine Testrunde gefiel meinem Bruder um einiges besser, insbesondere der Punkt mit der Regulierung der Helligkeiten. Damit waren wir auch an einem Punkt angelangt, an dem wir sagen konnten, wir können DMXControl auf den Club im Live-Betrieb loslassen – zumindest schon mal den ersten DMX-Kreis. Den zweiten DMX-Kreis wollten wir vorläufig noch über den DJPartner laufen zu lassen, um auf diese Weise eine gewisse Backup-Funktion zu haben für den Fall, dass ein Programmierfehler oder auch der LJ selbst den ersten DMX-Kreis lahmlegt – gerade in der Anfangsphase nach der Umstellung und der Einarbeitung der anderen LJs. Die Einbindung des zweiten DMX-Kreises wollten wir dann mit einem größeren Update (u. a. die Einbindung einer Midi-Faderunit und eines Midi-Keyboards) nachholen.

Somit war auch der zweite Tag im York schnell wieder rumgegangen. Wir packten unser eigenes Equipment zusammen und bauten das DJ-Pult von einem Programmierarbeitsplatz wieder in ein DJ-Pult zurück. Als wir uns verabschiedeten Stand nur noch eine Frage im Raum: Wir unser DMXControl-Projekt so laufen wie wir es uns vorstellten – nämlich einwandfrei? Die Antwort auf diese Frage sollten wir am darauffolgenden Freitag und Samstag erhalten.

DMXControl – live und in Farbe erstmals im York

Tag 1 – Freitag, 13.01.2012

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Die Umstellung war erfolgt. Es ist alles hergerichtet. Mögen die Spiele also beginnen. Unter diesem Motto stand förmlich das Projekt an diesem Freitag und Samstag. Diese beiden Tage sollten im wahrsten Sinne des Wortes über das Projekt „DMXControl im York Kassel“ entscheiden. Hat sich unsere Arbeit gelohnt? Wie kommen die LJs im Live-Betrieb damit zurecht? Gibt es Reaktionen von den Gästen? Aber vor allem: Wird DMXControl stabil laufen? Gerade die letzte Frage musste am Ende zwingend mit einem Ja beantwortet werden.

Mein Bruder hatte sich, nach dem die Umstellungstermine unter der Woche feststanden, für diesen Freitag und Samstag als LJ einteilen lassen. Denn bevor die anderen LJs auf DMXControl losgelassen werden, sollte mein Bruder vorher noch vorhandene Programmierfehler rausschmeißen, die sich erst im Live-Betrieb zeigen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, begann die Schicht für meinen Bruder an diesem Abend frühzeitig. Ich hatte in der Zwischenzeit vor allem bei den SLS effekttechnisch nachgerüstet. Dieses Update musste folglich von meinem Bruder auf dem PC im York aufgespielt und überprüft werden. Darüber hinaus fehlte noch eine erste Version der Tastaturbelegung, die mein Bruder ebenfalls noch an diesem Freitagabend vor der Öffnung des Yorks für die Gäste erstellen wollte. Diese Punkte waren weitestgehend bis zur Öffnung erledigt. Der Abend konnte also beginnen.

Während der ersten Stunde nach Öffnung ist lichttechnisch nicht ganz so viel tun. Hier laufen verschiedene Effekte als Grundlicht, die hin und wieder leicht variiert werden. Erst wenn sich die Tanzfläche so langsam füllt, wird auch lichttechnisch nach und nach mehr aufgefahren. Diese erste Phase verlief mit Blick auf DMXControl schon mal einwandfrei.

Als mein Bruder zum ersten Mal für die Gäste merklich durchblicken ließ, dass sich wohl irgendwas an der Lichtsteuerung geändert haben muss, gab es unter diesen durchaus ein Oha-Effekt. Zu diesem Zeitpunkt durchschnitten die MIS mit einem sehr schönen Gobo förmlich den Main-Floor. DMXControl war im York angekommen.

Der restliche Abend verlief dann sehr zufriedenstellend. Unsere größte Befürchtung, ein Programmabsturz, ist nicht eingetreten. Alles lief, so wie wir es von unseren eigenen Veranstaltungen kannten, einwandfrei und vor allem zuverlässig.

Mit dem Live-Betrieb haben sich aber wie fast erwartet ein paar Fehler in der Programmierung aufgetan. Hierzu zählten vor allem Fehler in zwei neuen Effekten, die sich auf Grund einer Unachtsamkeit beim Programmieren eingeschlichen haben. Diese beiden Lauflichter waren nämlich dunkler als sein sollten: In beiden Effekten wurden die Werte der Farbkanäle mit auf null gesetzt. Der Normalfall sieht aber vor, dass bei den LLI-Effekten die Farbkanäle gar nicht angetastet werden. Bedingt durch diesen Fehler mussten die FAB- oder FAW-Effekte nochmal neu gestartet werden, damit die beiden LLI-Effekte auch sichtbar wurden (für die Vorgehensweise bei der Programmierung von LLI-, FAB- und FAW-Effekte siehe Abschnitt Effektreich).

Tag 2 – Samstag, 14.01.2012

Für den zweiten Abend hatte ich direkt die Gelegenheit genutzt und die fehlerhaften Effekte vom Vorabend neu und vor allem richtig programmiert. Hinzu kam ein großer Batzen an Optimierungen und notwendigen Ergänzungen, die sich aus dem ersten Live-Betrieb ergaben.

Hier sei zum Beispiel die Programmierung der beiden Nebelmaschinen genannt. Da die Maschinen einen vorgegebenen Weg abfahren sollen, greifen wir hier nicht auf interne Programme zurück sondern haben eigene, nicht wiederholende Effekte erstellt. Verschiedene Timereffekte sorgen für eine gleichmäßige Nebelkonsistenz auf dem Main Floor, in dem diese Timereffekte in verschiedenen Zeitintervallen die eigentlichen Nebelprogramme ausführen. Beim ersten Live-Betrieb hatte sich gezeigt, dass die Zeitintervalle in den Timereffekten angepasst werden müssen.

Ein anderes Beispiel für einen Programmierfehler waren die Farbwechsel der MIS. Da ich beim Setzen der Werte für die jeweilige Farbe einen mittleren Wert aus dem Wertebereich für eine Farbe verwendet habe, gaben die Geräte die Farben als Halbfarben aus. Sicher für zukünftige Effekte zu gebrauchen – wir wollten am Anfang jedoch erst mal volle Farben für die Farbwechsel verwenden.

Gerüstet mit diesem umfangreichen Update begann der Abend für meinen Bruder im York wieder frühzeitig. Die besprochen Änderungen an den Effekten wurden ausprobiert – und für gut befunden. Der Abend konnte also beginnen.

Als die Nebelmaschinen zum ersten Mal intensiv eingesetzt wurden, war gewissermaßen sehr schnell ein Aufschrei aus dem York zu vernehmen. Sind über Tag auf einmal beide Nebelmaschinen kaputt gegangen? Wieso ist der Nebelausstoß nicht mehr so lang wie gestern Abend? Bei mir klingelte das Telefon und mein Bruder schilderte das Gesehene. Schnell war die Ursache klar: Ohne meinen Bruder zu informieren hatte ich minimale Veränderungen innerhalb der Nebelprogramme vorgenommen. Minimale Änderungen mit großer Wirkung: Das ausgestoßene Volumen pro Durchlauf war gleich um einiges geringer. Nachdem ich meinen Bruder über die Änderung aufgeklärt hatte, war auf seiner Seite Erleichterung zu vernehmen. Mit dem nächsten Update sollte diese Änderung dann wieder rückgängig gemacht und so das ausgestoßene Volumen pro Durchgang wieder erhöht werden.

Vom weiteren Verlauf des Abends gibt es nichts aufregendes mehr zu berichten – nur die Meldung, dass ausgenommen von den Maken in der Programmierung der Effekte wieder alles sauber und zuverlässig lief. DMXControl war im York also angekommen. Die Einarbeitung der anderen LJs kann gestartet werden.

Im weiteren Verlauf

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Nachdem DMXControl im York also angekommen war, hatte mein Bruder in Rücksprache mit den Verantwortlichen an den darauf folgenden Abenden Einführungsveranstaltungen für den jeweils diensthabenden LJ angesetzt – wobei Einführungsveranstaltung an dieser Stelle wirklich zu hoch gegriffen klingt. Formulieren wir es anders: An den ersten Arbeitsabend war mein Bruder ebenfalls vor Ort, um dem jeweils diensthabenden LJ DMXControl und unser Programmierkonzept näher zu bringen. Dazu hatte er Gebeten, ebenfalls früher im York aufzulaufen, um in Ruhe das wesentliche Durchzugehen.

Doch wie der Zufall es wollte, verspätete sich der Kollege an seinem ersten Arbeitstag mit DMXControl, sodass die Einführung während bereits laufender Musik erfolgen musste und daher diese auch nicht so ausführlich ausfallen konnte wie geplant. Nach einer guten halben Stunde war mein Bruder heiser – aber der Kollege hatte unser Konzept verstanden und ließ seinen Spieltrieb freien Lauf. Ein erster Kommentar war unter anderem: „Ist ja auf den ersten Blick ganz schön bunt, aber mit System.“

Nach einiger Zeit zog sich mein Bruder ein wenig zurück und ließ den Kollegen alleine Licht machen. Im Laufe des Abends fragte er in unregelmäßigen Abständen seinem Kollegen nach dem Stand der Dinge. Dieser war zufrieden und konnte sich über keinerlei Probleme beklagen, sei es softwaretechnisch, hardwaretechnisch oder auf Grund ungeklärter Fragen bezüglich der Bedienung. Alles lief einwandfrei.

Den Abend drauf war der nächste LJ-Kollege an der Reihe. Wie verabredet fand er sich frühzeitig im York ein, sodass mein Bruder an diesem Abend bei seiner Einführung nicht gegen die Musik anschreien musste und die Einführung selbst etwas umfangreicher ausfallen konnte. Auch hier viel sofort die Masse an Buttons ins Auge – waren doch vorher rund 40 Effekte verfügbar. Trotz ein paar mehr Zwischenfragen gab es keinerlei Probleme. „Mit der Zeit käme dann auch die Routine, dann wisse man, wo was liegt. Und dann passt auch das Licht noch besser zur Musik …“ so die Aussage des Kollegen.

Am letzten Januarwochenende war dann der vierte LJ mit der Einführung in die neue Lichtsteuerung daran. Er hatte sich aber im Vorfeld die Gelegenheit nicht nehmen lassen, bereits seinen Kollegen über die Schulter zu schauen. Jedoch hatte er bis zum Abend aller Abende großen Respekt vor der neuen Lichtsteuerung – da sie wie bereits erwähnt für „unerfahrene“ auf den ersten Blick deutlich komplizierter aussieht im Vergleich zum DMXWizard. Doch mein Bruder fand die passenden beruhigenden Worte und brachte auch ihm unser Bedienkonzept näher. Der anfängliche Respekt vor DMXControl mit der nun sehr mächtigen Kommandobox legte sich und auch dieser Abend verlief in Bezug auf das Licht ohne Probleme.

Updates und Optimierungen

Einrichtung von Midi-Controllern

Unmittelbar bei der Vorstellung des Projekts bei den Verantwortlichen haben wir gleich angeregt, für einen höheren Bedienkomfort zusätzlich zwei Midi-Controller anzuschaffen. Bei den Controllern handelt es sich zum einen um das ICON iKey und zum anderen um das ICON iControls.

Das iKey ist, wie der Name sicher vermuten lässt, ein Midi-Keyboard mit 18 Tasten. Hiermit wollten wir vor allem Blinder- und Strobe-Effekte ansteuern, die besonders häufig eingesetzt werden. Das iControls hat für uns dagegen einen regelnden Stellenwert, da es hier um eine Midi-Faderunit mit insgesamt neun Fadern, neun Drehreglern sowie 18 Tasten handelt. Der Verwendungszweck sollte im Bereich der Regulierung der Helligkeiten der acht Gerätegruppen sowie im Bereich der Blackout- und Nur-Effekte liegen.

Nachdem diese Investition abgesegnet wurde, habe ich das iKey und iControls im Auftrag des Yorks organisiert, da ich beide Controller bereits im Vorfeld in DMXControl einrichten und programmieren wollte. Gesagt, getan.

Bei der Programmierung stellte sich dann heraus, dass zum Betreiben beider Controller MidiOX benötigen werden. Diesen Schritt hätte ich sehr gerne ausgelassen, um für den Live-Betrieb nicht noch ein Programm mit zusätzlichem Fehlerpotential betreiben zu müssen. Denn immerhin bewarb ICON bei seinen Midi-Controllern die Schnittstelle iConnect, mit der ein Hintereinanderhängen mehrerer Midi-Controller möglich sein sollte. Diese Schnittstelle funktionierte mit DMXControl leider nicht so, wie wollte, sodass ich mich dann für die Variante mit MidiOX entschloss. Nach ein bisschen Basteln mit MidiOX selbst und MidiYoke hatte ich dann alles so, wie ich mir das vorstellte und ich konnte mich der eigentlichen Programmierung der Controller in DMXControl widmen. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich vorher noch nie wirklich mit MidiOX gearbeitet habe und es bis dato nur aus diversen Posts aus dem Forum kannte.

Die Programmierung funktionierte soweit ganz gut. Beide Midi-Controller ließen sich dank der Verknüpfung in MidiOX und der Ausgabe an einen Kanal von MidiYoke sehr schön automatisch anlernen. Was im Anschluss nur etwas zeitraubend war, war die Benennung der einzelnen Elemente in der Midi-Konfiguration – ohne dies wäre man ansonsten hoffnungslos überfordert. Nach einiger Zeit waren dann auch die gewünschten Aktionen (sprich Effekte und andere Dinge) mit den ganzen Fadern und Tasten der Controller verknüpft. Die Programmier-Einheit endete wie dann wie gewohnt mit dem einfachen Speichern des Projekts sowie dem Erstellen einer Pack&Go-Version zum Datentransfer ins York bzw. als Backup.

Für das Einrichten der Midi-Controller im York hatten mein Bruder und ich uns wieder zwei Tage freigehalten, da unter anderem das DJ-Pult im Bereich der Computer für Licht und Leinwand ein wenig umsortiert und für die beiden neuen Geräte Platz geschafft werden musste. Für diese Arbeit konnten wir uns dann mehr Zeit lassen, da zeitgleich Wartungsarbeiten an der Lichtanlage durchgeführt wurden.

Als der Arbeitsplatz entsprechend hergerichtet war, dachten wir, das Einrichten der Midi-Controller funktioniert hier nach dem Plug&Play-Prinzip. Wir schlossen also die Controller an, spielten das Update des DMXControl-Projekts auf und installierten MidiOX und MidiYoke. Letzteres gestaltete sich aus unerdenklichen Gründen schwieriger als gedacht – so viel schwieriger, dass wir das Thema Einrichtung der Midi-Controller bis zum nächsten Tag zurückstellten und dafür Optimierungen an der Programmierung der Effekte durchführten.

Eine Optimierung war die Positionierung der vier MIS. Obwohl es sich um vier baugleiche Geräte handelt, gibt es trotzdem bei gleichen DMX-Werten für Pan und Tilt Abweichungen bei der tatsächlichen Position. Wir vermuteten erst, dass eine Nachjustierung der Spiegel dieses Problem beheben würde. Dem war aber nicht so. Nach dem Neustart war die gleiche Abweichung festzustellen. Folglich mussten einige Positionen neu eingerichtet werden.

Am nächsten Tag war mir dann wieder eingefallen, wo sich das Problem bei der Installation von MidiOX und MidiYoke verbarg: Vor der Installation musste mal wieder ein kleiner Haken gesetzt werden. Danach ließen sich beide Programme ohne Probleme installieren. Als ich mir dann die Konfiguration der Midi-Fernsteuerung in DMXControl anschaute, war die Definition der Midi-Kanäle nicht vorhanden – obwohl in die voreinstellte MidiRemote.dat in das entsprechende Verzeichnis kopiert hatte. Nach einigen Minuten hin und her, entschloss ich mich, die Midi-Fernsteuerung komplett neu zu programmieren. So ging auch für diese Sache mehr Zeit ins Land, als ich ursprünglich geplant hatte. Aber am Ende des zweiten Tages konnten wir hinter dem Punkt Einrichtung der Midi-Controller einen Haken machen.

iPad mit TouchOSC

Seit geraumer Zeit schwebte meinem Bruder der Gedanke im Kopf herum, sich ein iPad zuzulegen. Nachdem nun Anfang März 2012 die dritte Generation vorgestellt wurde, ließ die Bestellung nicht lange auf sich warten. Neben den obligatorischen Spielereiein sollte das iPad aber auch produktiv eingesetzt werden – und zwar für unsere DMXControl-Projekte. Dazu gehörte nun auch das York.

Vor geraumer Zeit hatten mein Bruder sich die App TouchOSC gekauft und bereits mit seinem iPhone an unserem eigenen Projekt getestet. Da beschränkte sich die Oberfläche jedoch auf ein paar wenige Fader und Buttons. Mit der TouchOSC-Oberfläche für das York sollte dies anders werden. Ziel war es, fast die gesamte Kommandobox mit TouchOSC abzubilden.

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Am Donnerstag, 19.04.2012 begann die Entwicklung der TouchOSC-Oberfläche mit dem TouchOSC-Editor. Und da ging mein Bruder gleich in die Vollen. Er sah für die Oberfläche insgesamt 15 Seiten vor. Die hohe Anzahl kommt zu Stande, da zum einen für nahezu jede Gerätegruppe eine Seite vorgesehen ist und zum anderen auch das Keyboard und die Faderunit mit TouchOSC abgebildet werden sollen.

Die Seiten unterteilen sich in zwei wesentliche Bereiche. Im linken Teil der Oberfläche befindet sich der Teil mit den Buttons und ggf. Fadern zum Steuern der entsprechenden Gerätegruppe. Auf der rechten Seite ist ein Block platziert, der sich bei der überwiegenden Anzahl der Seiten wiederholt. Dieser Block beinhaltet die wichtigsten Effekte aus allen Gerätegruppen wie Blinder- oder Strobe-Effekte, aber auch die Blackout-Tasten für die entsprechenden Gerätegruppen sowie Buttons und Fader zum Ansteuern des Beattools und des Grandmasters.

Das eigentliche Erstellen der Oberfläche an dem Donnerstag- bzw. Freitagabend war weitestgehend unspektakulär, da es sich wie bei der Programmierung der Kommandobox in DMXControl im Wesentlichen um Fleißarbeit handelt. Eine kleine Herausforderung bot die Benennung der ganzen Bottons, da zum einen diese von Hause aus keinen Text enthalten können. So musste mein Bruder in mehreren Ebenen arbeiten, wo auf der unteren Ebene der Button und auf der oberen Ebene der Text mit der Benennung des Buttons liegt. Eine zweite vor allem zeitintensive Herausforderung bestand darin, jeden Button zu benennen, der aktuell verwendet werden kann. Hierbei stellte sich auch schnell heraus, dass das Laden des Layouts dem iPad einiges abverlangt. Die Animation des einfliegenden Layouts ruckelt. Aber sobald dieser Punkt überstanden ist, kann man sehr schön mit der Oberfläche arbeiten.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Einrichtung von TouchOSC in DMXControl. Auch dies gestaltete sich sehr aufwendig, da obwohl wir für einen ersten Test nur zwei Seiten für die Gerätegruppe SLS und MIS erstellt haben, bereits über 100 Buttons ihren zugehörigen Befehl wissen wollten. Eine richtig schöne Klickparty. Dafür verlief das Einrichten bzw. Anlernen in DMXControl reibungslos. Etwas widerspenstig gestaltete sich das Speichern der IP-Adresse im Konfigurations-Fenster und im Hauptfenster. Nachdem ich dann festgestellt hatte, dass neben dem Speichern der Konfiguration auch das Projekt einmal gespeichert werden muss, war dieses Problem aus der Welt geschafft.

Um an diesem Abend dann ein zügiges Inbetriebnehmen von TouchOSC zu ermöglichen, richtete ich am Nachmittag noch einen WLAN-Router ein und übertrug die entsprechenden Einstellungen in die angeschlossenen Geräte – sprich Laptop und iPad. Bei einem kleinen finalen Test war durchaus zufrieden mit unserer Arbeit und auch mit dem Kommunikationsverhalten zwischen iPad und Laptop. Trotz des umständlichen Übertragungsweges war es zum Beispiel sehr gut möglich, dem Beattool einen gleichmäßigen Takt vorzugeben.

Der Aufbau von Laptop, WLAN-Router und den ganzen anderen Komponenten verlief zu unserem Erstaunen sehr zügig. Wir hatten im Vorfeld beschlossen, über den Laptop meines Bruders wieder beide Universen zu betreiben – und dazu auch das iPad mit TouchOSC. Der erste Test verlief sehr zufriedenstellend. Alles funktionierte auf Anhieb – mein Bruder konnte sich also unter die Leute wagen. Kaum hatte mein Bruder das DJ-Pult mit dem iPad verlassen, wurden die anwesenden Personen schnell auf dieses neue Feature aufmerksam, darunter auch der Verantwortliche für den Club. Hellauf begeistert von dieser Möglichkeit wurde gleich das Handy gezückt und diese neue Steuerungsmöglichkeit dokumentarisch festgehalten.

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Im Laufe des Abends lernte mein Bruder die Bedeutung dieser Steuerungsmöglichkeit erst richtig schätzen. War die gesamte Aktion am Anfang vor allem aus Gründen der erhöhten Flexibilität in Bezug auf das Steuern der Lichtanlage von uns entwickelt worden, zeigte sich meinem Bruder hier schnell noch ein weiterer wichtiger positiver Aspekt. Erstmals war es dank iPad, TouchOSC und nicht zu vergessen dem Wireless-LAN möglich, die Wirkung der Effekte direkt aus der Sicht des Gastes zu erleben – und zwar von allen Ecken aus auf der Tanzfläche. Wenn man es drauf anlegen wollte, wäre zu Beginn und gegen Ende des jeweiligen Abends sogar ein blinder Betrieb aus den Nebenräumen heraus möglich. Eine ausreichende Signalstärke des WLAN-Netzwerkes war auch hier gegeben.

Wie die letzten Abende auch, verlief dieser Abend aus (Licht-) technischer Sicht sehr zufriedenstellend, obwohl wir direkt ohne großen Vortest ein neues Feature – Steuerung mittels iPad via TouchOSC – in Betrieb genommen haben. TouchOSC war zu jedem Zeitpunkt einsatzbereit. Die Tatsache, dass DMXControl nun im Eingabesignalverarbeitungsgefecht mit fünf verschiedenen Eingabegeräten stand, ließ DMXControl selbst nicht ins Wanken bringen. DMXControl arbeitete wunderschön über den ganzen Abend hinweg mit allen angeschlossenen Komponenten zusammen ohne Probleme durch.

Nach Feierabend wollte ich dann nochmal die Gelegenheit nutzen und ein paar Positionen der TSL anpassen. Doch es tat sich nichts! Keine Reaktion auf Eingaben via Touchscreen, Maus oder Tastatur! Auch der berühmte Affengriff zeigte keinerlei Wirkung. Hatte sich DMXControl oder gar der gesamte Laptop auf den letzten Metern an diesem Abend verabschiedet? Erstaunlicherweise war am Scrollbalken der Kommandobox noch ein Blinken zu sehen. Aber ein Abziehen und Wiederanstecken des USB-Hubs und des Monitors führte nicht zu dem gewünschten Ziel, wieder die Kontrolle über den Laptop zu übernehmen. Einige Minuten probierten mein Bruder und ich herum. Dann kam mein Bruder auf die Idee, den Eingang des Monitors nochmal umzustellen – und siehe da, der Anmeldebildschirm von Windows tauchte wieder auf! Da hatte der Monitor wohl durch das Aufklappen des Bildschirms kurz das VGA-Signal verloren und war in einen unbeobachteten auf den DVI-Eingang zurückgesprungen. Und hier zeigte der dann das Bildsignal des Lichtsteuerungs-PCs an. Da aber alle Eingabegeräte an dem Laptop von meinem Bruder hingen, konnte logischerweise hier keine Regung hervorgerufen werden.

Aus dem laufenden Betrieb

Freitag, 09.03.2012 – Systemausfall?!

Bislang lief DMXControl im York weitestgehend ohne Probleme. Hin und wieder wurden nicht alle Fenster geöffnet, dies ließ sich aber mit wenigen Mausklicks beheben. Doch an diesem Abend war das Problem um einiges größer, sodass der diensthabende LJ in seiner Arbeit beeinträchtigt war.

Was war passiert?

Aus einem nicht nachvollziehbaren Grund reagierte die Intensitätssteuerung der Lauflichter der SLS nicht mehr auf Eingaben vom Submaster. Eigentlich ist dies ja kein Problem. Jedoch waren die SLS zu dem Zeitpunkt als der Fehler auftrat auf einen hohen Helligkeitswert eingestellt und beleuchteten den Main Floor zu lange zu hell.

Wo lag die Ursache?

Die Ursache des Problems ließ sich an diesem Abend wie erwähnt nicht eindeutig ermitteln. Ein Abschalten der Midi-Fernsteuerung und auch das manuelle Bedienen des Submasters mit der Maus führten nicht zum Ziel. Scheinbar hat sich DMXControl, MidiOX und das Betriebssystem selbst irgendwie verschluckt.

Unsere Problembehebung

Die einfachste aber effektivste Problemlösung war das Neustarten des PCs. Da mit dem PC immer noch „nur“ der erste DMX-Kreis ansteuert wurde, konnte die Zeit des Neustarts relativ gut mit Hilfe des an den DJ-Partners angeschlossenen zweiten DMX-Kreis und der Leinwand kaschiert werden. Nach dem Neustart lief alles wieder einwandfrei.

Freitag, 17.03.2012 – Erstmals zwei Universen

Wir hatten bei der Umstellung wie beschrieben festgestellt, dass die zur Zeit eingesetzte Hardware in manchen Situationen schneller als gedacht an ihre Leistungsreserven gelangt. Um einmal zu testen, wie leistungshungrig die 110 Geräte bezüglich des DMX-Protokolls sind, entschloss sich mein Bruder zu einem kleinen Test. An diesem Abend sollte sein eigener Laptop als Rechenknecht dienen.

Für diesen Test waren aber dennoch ein paar Umbaumaßnahmen erforderlich und so begann sein Abend wieder frühzeitig gut zwei Stunden vor Ladenöffnung. Ein Hauptpunkt der Vorbereitung war das Umstöpseln der ganzen verwendeten USB-Geräte, wie Tastatur, Maus, Midi-Controller, Touchscreen und unseren beiden FX5-Interfaces. Da die Anzahl der nativ anschließbaren USB-Geräte an den Laptops relativ beschränkt ist, waren somit zwei USB-Hubs erforderlich. Nachdem auf softwareseitig alles gerichtet war, konnte der eigentliche Test beginnen.

Schnell stellte sich heraus, dass es dem Laptop meines Bruders mit den beiden FX5-Interfaces nichts ausmachte, zwei DMX-Kreise mit den aufwendigsten Effekten zu befeuern, die zur Verfügung standen. Kurzerhand entschloss sich mein Bruder, den zweiten DMX-Kreis an diesem Abend auch für die Gäste sichtbar in Betrieb zu nehmen. Eine kleine Premiere! Blieb also wieder nur zu hoffen, dass ein Systemausfall an diesem Abend ausbleiben würde.

Aber auch mit zwei DMX-Kreisen lief DMXControl stabil und ohne zu murren den Abend durch. Selbst während einer musikalischen Up-Tempo-Session, bei der kurzzeitig ein LJ-Kollege und mein Bruder gemeinsam DMXControl aus vier Richtungen (Touchscreen, Tastatur und beide MIDI-Controller) gleichzeitig mit Eingaben befeuerten, kam die Ausgabe nicht ins Stocken. Damit hatte mein Bruder eine guten Referenzwert gefunden, die neue Hardware für den Lichtsteuerungs-PC erfüllen muss – und zwar sollte neben mindestens 4 GB Arbeitsspeicher bei der neuen Hardware auch ein Prozessor mit einer Taktfrequenz mit mindestens 2,4 GHz enthalten sein.

Nach Ladenschluss baute mein Bruder dann wieder alles zurück und stellte die LBS wieder so ein, dass alle mit dem DJ-Partner betrieben werden können.

Samstag, 24.03.2012 – Zwei neue Geräte und eine neue Gerätegruppe

Im Laufe der Woche nach dem Hardware-Anforderungstest wurden im York zwei neue Geräte aufgehängt, die die Bühne von vorne etwas effektvoller beleuchten sollten. Damit erhielt das York seine zehnte Gerätegruppe. Bei den beiden neuen Geräten handelt es sich um zwei Eurolite TMH-7 (kurz TMH), die in Zukunft weitere 28 Kanäle (14 Kanäle pro Gerät) im ersten Universum belegen. Die Inbetriebnahme beider Geräte sollte dann am Samstag erfolgen, da an diesem Abend auch wieder Gogo-Tänzer eingeladen waren.

Frühzeitig erreichten mich die Infos über die neuen Geräte, sodass ich wunderbar in Ruhe ein entsprechendes Update vorbereiten konnte. Beim Einbauen der DDFs im Projekt zeigte sich schnell, dass es mit der Inbetriebnahme ein paar Änderungen an der Kanalbelegung geben würde. Ich wollte das erste Universum ohne große Lücken kompakt beisammen haben. Nach der Umsortierung der Geräte waren auch schnell ein paar Effekte programmiert. Ein Problem bestand dann noch bei der Anordnung der Effekte in der Kommandobox. Für den Anfang standen mir nur 14 Buttons zur Verfügung, da ich noch nicht gewollt war, eine komplette neue Seite extra für die TMHs anzulegen. Zukünftig soll es aber eine eigene Seite geben, die nur Effekte für die Bühne enthält. Mit einer geschickten Auswahl ließen sich dann doch auf 14 Buttons verteilt ein Strobe-Effekt, LLI-Effekte, Grundfarben, eine Bewegung, zwei Positionen sowie der Blackout-Effekt unterbringen.

Ausgestattet mit dem Update begab sich mein Bruder an diesem Samstag-Abend wieder frühzeitig ins York, um alle Vorkehrungen zur Inbetriebnahme der beiden TMHs zu treffen. Nach dem Umstellen der DMX-Adresse an einigen anderen Geräten und dem Einleuchten waren die TMHs einsatzbereit.

Während des Betriebes zeigte sich dann, dass die TMHs trotz ihrer kompakten Bauweise bei einer Distanz zur Bühne von ca. sechs Meter so hell sind, dass mein Bruder sie im Laufe des Abends heruntergedimmt hatte. In einem anschließenden Gespräch am nächsten Tag mit meinen Bruder kamen wir auf die Idee, um mit wenig Aufwand mehr Farben aus den TMHs rauszuholen, dass wir neben dem Submaster-Regler auch die Farbmakro-Kanäle auf die bislang noch unbelegten Drehregler legen.

Samstag, 21.04.2012 – Hoher Besuch

Kurz nach der Veröffentlichung der ersten Teile dieses Berichts wurden schnell „hohe“ Vertreter des Vereins DMXControl Projects auf unser Projekt aufmerksam, darunter auch Dirk E., dem Koordinator der Beta-Tests. Im Laufe des größer werdenden Berichts tauchte die Frage auf, ob man sich zwecks eines Erfahrungsaustausches und gegebenenfalls auch zu einer Live-Besichtigung treffen könnte. Nachdem wir seitens der Verantwortlichen das Ok bekamen, das York bereits vor der Ladenöffnung zu besichtigen, haben wir mein Bruder und ich uns mit Dirk nach einer langen Terminsuche am Samstag, 21.04. verabredet.

Unser Treffen war an diesem Samstagabend zweigeteilt. Im theoretischen Teil haben wir in einer Bar, die fußläufig nur wenige Minuten vom York entfernt war, vorläufig so allgemeine Dinge besprochen und Erfahrungen ausgetauscht.

Der praktische Teil fand dann vor der eigentlichen Öffnung des Clubs im York statt. So konnte sich Dirk einen guten Eindruck verschaffen, wie das bislang sehr wortreich beschriebene Projekt in der Realität aussieht – nicht nur in Bezug auf die angesteuerten Geräte, sondern auch in Bezug auf das, was wir mit den Geräten effekttechnisch veranstalten. Darüber hinaus konnten wir auch noch gute Einblicke in unsere Programmierweise gewähren, da an diesem Abend ein Liveact auftreten sollte. Die Bühne für diesen Liveact war auf Grund der großen Personenanzahl nicht die Bühne selbst, sondern die Treppe auf der gegenüberliegenden Seite. Für diese neue Bühne mussten dann noch ein paar Effekte programmiert werden. Insofern ging es bis zum Abschluss der Programmierarbeiten bei meinem Bruder und mir ebenfalls etwas hektischer zu als geplant. Nebenbei hatte mein Bruder neben dem Aufbau seines Laptops auch kurzentschlossen alles vorbereitet, um an diesem Abend auch wieder den zweiten DMX-Kreis in Betrieb zunehmen. Im Vorfeld hatten wir uns bereits darauf geeinigt, an diesem Abend erstmals mit dem iPad meines Bruders Licht zu machen. Mit den ganzen Umbauten konnten wir Dirk auf diese Weise spontan den finalen Ausbau der Lichtsteuerung im York präsentieren (für mehr Details rund um das iPad siehe Abschnitt iPad mit TouchOSC).

Nach den teils geplanten, teils ungeplanten Umbauten an der Programmierung und an der Hardware blieb aber trotzdem noch gut Zeit, um sich über die Lichtanlage in sich zu unterhalten. Ein wichtiger Punkt hierbei war u. a. das Thema Backup. Denn mit der Inbetriebnahme des zweiten DMX-Kreises wird es im York nochmal merklich weniger „echte“ Steuerungshardware mehr geben. Der DJ-Partner, der bislang für den zweiten DMX-Kreis zuständig war, wird auch wegen seines beschränkten Funktionsumfangs ausgemustert. Mein Bruder und ich hatten uns ja schon mal mit dem Thema auseinander gesetzt, doch im Zuge des Treffens rückte das Thema Backup für die Lichtsteuerung via PC nochmal stärker ins Bewusstsein.

In der Summe war es auf alle Fälle ein gelungener Abend. Das Ziel eines umfangreichen Erfahrungsaustausches sahen Dirk, aber auch mein Bruder und ich als erfüllt an, jedoch hätten wir Dirk gerne einen größeren Einblick in den Live-Betrieb gegeben. Als Dirk sich bei uns verabschiedete verblieben wir mit der Aussage, dass wir uns gerne noch ein weiteres Mal treffen können. In der Zwischenzeit soll aber das ein oder andere Bild oder sogar ein Video den Live-Betrieb von DMXControl im York Kassel versuchen einzufangen.

Das Finale: das York in der Hand von DMXControl

Während unseres zweiten Testlaufs im Januar haben mein Bruder und ich schnell festgestellt, dass die betagte Hardware im PC für die Lichtsteuerung so haarscharf an der Leistungsgrenze läuft. Mit einem weiteren Test, diesmal mit dem Laptop meines Bruders im März, hatten wir die Mindestanforderungen für die neue Hardware für den PC herausgefunden – zwei Universen sowie die zahlreichen Wege der Befehlseingabe wollen immerhin mit entsprechender Rechenleistung versorgt sein.

Vollgas mit neuer Hardware

Vorplanungen

Nach langem Gesuche hatte ich dann die passende Hardware und alles drum herum zusammengestellt. So wird in dem neuen PC für Lichtsteuerung ein Vierkern-Prozessor mit je 3,6 GHz werkeln. Dem Prozessor stehen vier Gigabyte Arbeitsspeicher sowie eine SSD mit 64 GB Speicherkapazität zur Verfügung.

Auch wenn DMXControl bislang nur mit einem der vier CPU-Kernen arbeiten kann, bringt die CPU für eventuell neue Projekte in ferner Zukunft schon mal die entsprechenden Leistungsreserven mit. Von der SSD als Systemfestplatte erhoffen wir uns neben der größeren Resistenz gegen den harten Cluballtag (genannt sei hier der massive Bass) auch eine Art Backup-Funktion – aber nicht im herkömmlichen Sinn. Die SSD soll im Falle eines erforderlichen Systemneustarts auf Grund eines Softwarehaklers diesen Neustart wesentlich beschleunigen.

Der erste Anlauf

Ende April nahmen wir das erste Mal Anlauf, den neuen PC für die Lichtsteuerung zusammenzubauen und entsprechend einzurichten. Bei der Einsatzplanung der LJs für April hatte mein Bruder sich für das letzte Wochenende alle möglichen Termine im York gesichert. Denn bevor die anderen LJs auf den neuen PC losgelassen werden, wollten wir selbst zumindest für den Fall der Fälle in der Nähe sein – nicht nur personell sondern auch mit einem echten Backupsystem. Doch so weit kamen wir gar nicht.

Nach dem Eintreffen der neuen Komponenten hatte mein Bruder diese auch gleich zusammengebaut. Am gleichen Abend war auch das Betriebssystem aufgesetzt und einige allgemeine, aber wichtige Programme installiert. Bis dahin sah alles gut aus. Vor allem unser Ziel, durch den Einsatz der SSD einen zügigen Neustart des PCs zu erhalten, erreichten wir bereits an diesem Abend. Binnen 40 Sekunden war der PCs wieder da, wo er vor dem Klick auf Neustart stand.

Am nächsten Tag widmete ich mich dann der Installation aller für die Lichtsteuerung erforderlichen Programme und den eigentlich letzten Feineinstellungen am System. Kurz vor dem Ziel (ich sortierte gerade ein wenig das Startmenü) sah der PC nur noch blau. Bluescreen! Etwas verdutzt war ich dann schon, sah aber sehr schnell wieder darüber hinweg. Doch dies sollte nicht der erste Bluescreen gewesen sein: bei intensiven Leistungstests, nach dem Installieren von Software, nach einfachen Leistungstests oder teilweise auch aus heiterem Himmel landete der PC im Bluescreen. So hatten wir uns das aber nicht vorgestellt und so verbrachten wir das restliche Wochenende damit, die Ursache für die massiven Bluescreens zu finden. Selbst zwei weitere Neuinstallationen des Betriebssystems brachte keine Besserung und so rückte mehr und mehr die Tatsache in den Vordergrund, dass eine Hardwarekomponente schuld sein musste.

Unser erster Verdacht viel bei genauem Beobachten des PCs auf das Mainboard. Denn immer nach einem Bluescreen tauchten auf dem Bildschirm Artefakte auf. Artefakte, wie ich sie von defekten Grafikarten kannte. Und da wir bewusst ein Mainboard mit OnBoard-Grafik ausgesucht hatten (DMXControl ist ja keine Anwendung, die hohe Anforderungen an die Grafik stellt), zwang sich die Schlussfolgerung förmlich auf.

Der zweite Anlauf

An einem der nachfolgenden Wochenenden widmeten wir uns abermals dem neuen PC, um endgültig das Problem zu identifizieren. Auch an diesen Testtagen tauchten immer wieder Bluescreens auf, welche die bestimmungsgemäße Verwendung des PCs unmöglich machten. Wir kamen aber dafür mit der Fehlersuche um einen wesentlichen Schritt voran.

Während dieser Testperiode war es uns bei einem Bluesreen erstmals möglich, dessen Inhalt auch mal fotografisch festzuhalten. Und siehe da, mit Hilfe dieser eigentlich ominösen Fehlercodes ließ sich das Problem mit einer kleinen Internetrecherche eingrenzen. Laut mehrerer Aussagen sollen diese Fehlercodes typisch für einen defekten Arbeitsspeicher sein. Umgehend organisierten wir uns ein entsprechendes Tool, um beide Arbeitsspeicherriegel gründlich unter die Lupe zu nehmen.

Und tatsächlich, nach einiger Zeit spuckte das Tool jede Menge Meldungen aus, dass einige Speicherchips auf einem der beiden Arbeitsspeicherriegel defekt seien. Kurzerhand führten wir den Test mit jedem Riegel nochmal einzeln aus. Während der Test mit dem ersten Arbeitsspeicherriegel auch nach mehreren Stunden keinerlei Fehler aufwies, gab das Tool beim Test des zweiten Riegel wieder die bereits bekannten Meldungen aus. Und prompt war der PC nicht mehr wirklich ansprechbar.

Um auf Nummer sicher zu gehen, testeten wir beide Arbeitsspeicherriegel mit einem weiteren Tool, welches den bereits als fehlerhaft deklarierten Arbeitsspeicherriegel ebenfalls als defekt markierte (bzw. eine entspreche Meldung ausgab). Nach dieser zweiten Bestätigung fiel uns doch ein größerer Stein vom Herzen. Denn der defekte Arbeitsspeicher erklärte auch die Artefakte auf dem Bildschirm, die nach dem Starten des PCs nach einem Bluescreen immer aufgetaucht waren.

Nun konnten wir also einen weiteren Leistungstest starten, bei dem wir allen Komponenten, aber insbesondere CPU und Arbeitsspeicher um ein vielfaches mehr forderten, als es am zukünftigen Bestimmungsort der Fall sein würde. Und siehe da, kaum hatten wir den defekten Arbeitsspeicher aussortiert, lief der PC trotz der hohen Beanspruchung über Stunden hinweg stabil durch – sehr zu unserer Zufriedenheit.

Um nach den vielen Bluescreens und den doch zahlreich installierten Programmen zum Testen den PCs Ruhe in das ganze System zu bringen, setzte ich diesen nun mittlerweile zum vierten Mal neu auf. Hierbei verlief (endlich) alles so wie gewollt ohne irgendwelche Fehlermeldungen oder gar Bluescreens. Der PCs näherte sich also mit großen Schritten der Freigabe zum Testen im York.

Letzte Tests für das große Finale

Neuer PC – ein Universum und ein iPad

Als ich nun den PC zum vierten Mal neu aufgesetzt hatte und dieser entsprechende Leistungstest (endlich) erfolgreich durchlaufen konnte, beschloss mein Bruder, den PC am Samstag, 16.06.2012 erstmals mit ins York zu nehmen – aber nicht ohne Backup. Mein Bruder hatte seinen eigenen Laptop an diesem Abend ebenfalls mit angeschlossenen Interfaces aufgebaut. Sollte der neue PC rumzicken, dann bräuchte er nur kurz das DMX-Kabel von dem einen in das Interface am Backup-System umzustecken. Das kurze Haken des Lichts würde dann sowieso in dem allgemeinen Trubel untergehen.

Neben dem neuen PC sollte an diesem Abend auch gleich das iPad via TouchOSC mit eingebunden werden – das dritte Mal überhaupt. TouchOSC und iPad waren ja bereits im April entsprechend eingerichtet worden. Da aber der alte PC wie bereits erwähnt nahe an der oberen Leistungsgrenze lief, wollten wir diesen nicht noch auf einem weiteren Weg mit Befehlen bombardieren.

In der Summe gibt es von diesem Abend aber nichts weiter zu berichten – denn alles lief so wie es sollte, egal ob PC, iPad oder die Lichthardware. Mein Bruder hatte sich über den Abend hinweg auch immer wieder mal die Prozessor-Auslastung sowie verschiedene Temperaturen im und am PC angeschaut – sie bewegten sich voll und ganz im Rahmen.

Hervorzuheben ist aber, dass sich die Mehrleistung wie schon vermutet sehr stark bemerkbar macht. Nicht nur die Effekte an sich laufen gefühlt flüssiger, sondern mit dem Mehr an Leistung können nun auch die LLI- bzw. SHU-Effekte für das Auge angenehmer ohne großartig zu flackern über die Faderunit gedimmt werden. Gerade bei den SLS stellte das Dimmen oder besser gesagt das Regulieren der Helligkeiten bislang eine kleine Herausforderung dar.

Da der PC den ersten Samstagabend ohne Probleme durchgelaufen ist, beschloss mein Bruder den neuen PC im York zu lassen – zumal er am darauffolgenden Wochenende sowieso für beide Abende eingeteilt war. Auch am zweiten Abend gab es keinerlei Probleme mit dem neuen PC. So kamen wir auf die Idee, eine Woche nach dem Ankommen des neuen PCs im York seit langem mal wieder beide Universen über DMXControl laufen zu lassen.

Das zweite Universum – will es oder will es nicht?

Auf unsere Empfehlung hatte das York während wir mit dem PC herumdokterten ein zweites FX5-Interface für den zweiten DMX-Kreis angeschafft – vor allem, um ressourcenschonender die DMX-Ausgabe berechnen zu können.

In gewohnter Manier schloss mein Bruder an dem Samstagabend das zweite Interface am PC und stellte die Kanäle an den LBS um. Darüber hinaus baute er auch an diesem Abend wieder seinen eigenen Laptop als Backup auf, obwohl er anfangs überlegt hatte, es nicht zu tun. Denn was sollte jetzt noch passieren? Insbesondere der PC lief einwandfrei und auch im DMXControl-Projekt war mittlerweile nichts Problematisches mehr enthalten, was zu Softwareausfällen führen könnte.

Ein erster Test mit beiden Interfaces verlief wunderbar, ohne das einen Grund zur Beanstandung hätte geben können. Bei diesem positiven Ergebnis sah mein Bruder keinen Anlass, dem PC erst mal besondere Beachtung zu schenken und wandte sich vor der Öffnung des Club anderen Tätigkeiten zu.

Als er nach kurzer Abwesenheit wieder zurück zum Mainfloor kam, war die Verwunderung groß: Wieso stand die DMX-Ausgabe und somit alle Effekte? Am Arbeitsplatz angekommen, war die Ursache auch schnell klar: ein einziges Fenster auf dem sonst nun schwarzen Bildschirm mit der Meldung „DMXControl hat ein Problem festgestellt und musste beendet werden“. Neben der Fehlermeldung auf dem Bildschirm fielen auch die beiden LEDs an den Interfaces ins Auge – nämlich das diese nicht ins Auge fielen, weil sie aus waren. Das schlimmste an der ganzen Sache war, dass der Club mittlerweile geöffnet hatte. Es war kurz nach 23:00 Uhr.

Da sich nur DMXControl aufgehangen hatte, startete mein Bruder das Programm direkt neu. Die DMX-Ausgabe war sofort wieder verfügbar und so sollte dieser eine Aussetzer soweit in Ordnung gehen. Jedoch blieb der gute Zustand nicht lange erhalten und die DMX-Ausgabe hing sich abermals auf. Kurzerhand stöpselte mein Bruder das Kabel des ersten DMX-Kreises an das Backupsystem um – seinen eigenen Laptop. Hier war die Erleichterung groß, denn nun hatte mein Bruder Luft verschafft um das wohl doch größere Problem am neuen PC zu lösen.

Es tauchten zugleich mehrere Fragen auf. Neben der Frage, wieso sowas nicht einfach mal ohne Probleme funktionieren könne, stand auch schnell die Frage im Raum, ob das neue Interface vermutlich defekt ist. Denn seit der Lieferung ist dieses nur ein paar Minuten gelaufen, um die grundsätzliche Funktionsfähigkeit zu testen. Ein weiterer Punkt, der den Verdacht schnell auf das neue Interface lenkte, war einfach die Tatsache, dass ein Betrieb mit zwei Interfaces bei den letzten Malen immer ohne Probleme verlief und daher auch ein Softwareproblem nicht vorliegen konnte.

Während also die Lichtausgabe über das Backupsystem lief, versuchte mein Bruder dem Fehler genauer auf den Grund zu gehen. Und so probierte er unsere eigenen FX5-Interfaces an dem PC aus. Die Verwunderung über das Verhalten des gesamten Systems nahm allerdings weiter zu, denn selbst unsere eigenen Interfaces stocken bei der Ausgabe, was wiederum auf DMXControl in Form eines Absturzes des Programms durchschlug. Ratlos rief mich mein Bruder kurzerhand an um gemeinsam über das Problem zu beratschlagen. Er hatte mich per Instant Messenger bereits über das Problem informiert. Jedoch war auch ich ratlos, vor allem, weil unsere beiden Interfaces die gleichen Symptome äußerten wie das zweite Interface für das York – zumal unsere Interfaces schon an einigen Abendenden zuvor ohne Probleme liefen.

Ein Gedankengang von mir war, dass vielleicht der USB3-Anschluss mit für die Probleme verantwortlich sein könnte – obwohl USB3 gemäß Spezifikation abwärtskompatibel zu USB2 sein sollte. Ein zweiter Gedankengang meinerseits war, dass vielleicht das Energieprofil – insbesondere die Einstellungen für USB-Geräte – (noch) nicht richtig gesetzt waren. Mit diesen Hinweisen ausgestattet warf sich mein Bruder wieder ins Gefecht mit den Interfaces und dem PC. Er änderte die Einstellung im Energieprofil und stöpselte die Interfaces an einen USB2-Anschluss am Mainboard um.

Einige Minuten beobachtete mein Bruder das sozusagen neue Konstrukt. Da sich das ganze System jetzt beruhig hatte, schloss er beide DMX-Kreise wieder am PC an. Und scheinbar hatte sich das ganze System wohl tatsächlich beruhig, denn bis ca. eine Stunde vor Feierabend lief alles so wie es sollte. Von daher startete mein Bruder erneut den Versuch und schloss die Interfaces an ihren vorgesehenen Anschlüssen am Mainboard, den USB3-Anschlüssen an. Kaum hatte er das gemacht, hing die Ausgabe wieder. Ein abermals durchgeführter Neustart von DMXControl brachte dann zwar wieder die gewünschte Bewegung in die Ausgabe, jedoch beförderte dieser Neustart ein weiteres interessantes Phänomen zum Vorschein. Über das zweite York-Interface konnten die Bewegungen für die LBS überhaupt nicht zufriedenstellend ausgegeben werden – die Bewegungen ruckelten. Beim Anschluss eines von unseren Interfaces brachte dagegen die Harmonie zurück und die LBS führten ihre Bewegungen so aus wie wir es von ihnen erwarteten.

Unter diesen Umständen blieb meinem Bruder nichts anderes übrig, als diesen Test mit zwei Universen als vollständig gescheitert zu erklären. Nach Feierabend stellte der den Ein-Universen-Zustand wieder her, in der Hoffnung, dass zumindest dieser Zustand am nächsten Wochenende laufen würde. Unabhängig davon wollte mein Bruder aber auch wissen, ob der Fehler tatsächlich von dem zweiten York-Interface rührte und packte dieses wieder mit ein.

Noch am späten Nachmittag des gleichen Tages wandte sich mein Bruder den Interfaces zu und bombardierte sie mit allen möglichen Effekten. Hier zeigte sich anfangs erstaunlicherweise das gleiche Problem wie im York: Die Interfaces hingen und DMXControl war aus. Mehrmals tauschte er die Interfaces durch, bis er das Ganze nach einigen Abstützen sehr zu seiner Verwunderung dann doch mehrere Stunden lang zum Laufen bekommen hatte. Als er dann am Abend unbewusst an einem der USB-Kabel wackelte, war plötzlich das Interface aus und DMXControl zu. Konnte ein so banaler Fehler ein so massives Problem hervorrufen? Scheinbar schon. Noch ein paar Mal probierte mein Bruder an dem Interface und dem Kabel herum, tauschte die Interfaces durch und beobachtete die Situation. Sobald er an dem Kabel wackelte, streikte das Interface und DMXControl. Ein einfacher Defekt am USB-Kabel hat erneut viele Nerven und Mühen gekostet. Mit dieser Erkenntnis nahm das Wochenende dann doch noch ein halbwegs positives Ende.

Das zweite Universum – im zweiten Anlauf

Nachdem also der Fehler in Form eines defekten USB-Kabels gefunden war, sahen mein Bruder und ich dem darauffolgenden Freitagabend deutlich entspannter entgegen. Denn an diesem Abend war mein Bruder bedingt durch einen eigenen Auftritt mit unserer eigenen Licht- und PA-Anlage nicht als LJ im York, sondern ein Kollege. Der Kollege musste daher den Abend allein irgendwie über die Bühne bringen, was aber wie gesagt nun ohne Bauchschmerzen klappen sollte.

Einen Abend später startete mein Bruder also den zweiten Versuch, die finale Ausbaustufe mit beiden Interfaces, beiden Universen und selbstverständlich einem anderen USB-Kabel in Betrieb zu nehmen. So änderte er hoffentlich zum letzten Mal die Kanäle der LBS und band die vier LED wieder in den zweiten DMX-Kreis ein. Und tatsächlich – weiteres gibt es von diesem Abend nicht zu berichten! Es lief (endlich) alles so wie es soll, auch an den beiden darauffolgenden Abenden.

DMXControl ist also nach einer Projektlaufzeit von mehr als einem Jahr im York Kassel angekommen.

Unser Fazit

DMXControl im York Kassel – Kassels angesagtestem Club. Unter diesem Namen lief unser bislang größtes Projekt, sei es in Bezug auf die Anzahl der anzusteuernden Geräte, die Größe des DMXControl-Projekts in MB oder auch die Größe dieses Berichts (in Worten).

Die erste Idee kam uns bereits im Juli 2011. Das Projekt fand seinen Abschluss gut ein Jahr später, im Juli 2012. Dass zwischen von der ersten Idee und bis zum Finale letztendlich gut ein Jahr verging, hat vielerlei Ursachen. Denn dieses Jahr beinhaltete neben den Programmieren und Testen und Neuprogrammieren und Wiedertesten auch immer wieder längere Abschnitte, in denen das Projekt ruhte – sei es privater Natur, sei aus organisatorischen Gründen (für die Live-Tests musste ja mein Bruder und ich am Anfang auch anwesend sein) oder sei es einfach auf Grund der Tatsache, dass die erste Ausbaustufe erst mal im York ankommen sollte (sprich die Alltagstauglichkeit musste geprüft werden).

In der Summe können wir sagen, es hat sich auf alle Fälle gelohnt. Wir haben dort etwas sehr markantes und aus unserer Sicht etwas nun sehr York-typisches aufgebaut, was die alte Programmierung in der Form gar nicht hergab. Vor allem auf Grund den entsprechend positiven Rückmeldungen.

Auf dem Weg dorthin gab es durchaus Rückschläge, die vor allem bei meinem Bruder den einen oder anderen Zweifel haben aufkommen lassen. Aber mit Ruhe und Geduld haben wir diese Stolpersteine immer wieder aus dem Weg räumen können. Egal ob defekte Kabel oder unsere anfängliche Odyssee mit dem neuen PC – irgendwann kam uns dann doch irgendwie der Gedanke, der zur Lösung des Problems führte. Das wichtigste dabei: Von Seiten DMXControl als Lichtsteuerungssoftware sind keine Probleme aufgetreten – es fast immer an der Hardware oder an falsch programmierten Effekten.

Von daher – sollte jemand auf uns zukommen, der mit seiner Lichtanlage unzufrieden ist: Wir wissen auf alle Fälle, das so ein ähnliches Projekt nicht unmöglich ist.

Und was an dieser Stelle nicht fehlen darf: Ein ganz großes Dankeschön und Respekt an die Entwickler der DMXControl-Reihe – für die Version 2.X insbesondere ein großes Dankeschön an Stefan Krupop!

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