Waldstock 2010

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Informationen
Autor: Sebastian Ehinger
Veranstaltungsdatum: nicht bekannt
Location:
Ort: nicht bekannt
Webseite: http://www.waldstock.info
Waldstock 2010
Steuerungen: Licht
1 PC mit DMXControl
1 iPad/iPhone
1 BCF2000


Bericht

Hallo!

ich möchte hier einen Anwenderbericht zu DMXControl beisteuern. Wir haben mit DMXControl ein zweitage OpenAir Festival in Süddeutschland beleuchtet und dafür eine sehr interessante Lösung gebastelt.


Wie wir bei DMXControl gelandet sind: Ursprünglich stand der Satz unseres Tontechnikers im Raum „Hajo, A bissele mee Licht wär scho it schlecht. Ond bund.“ (Für nicht Schwaben bedeutet das soviel wie „Du Depp. Besorg Licht. Mach Bunt!“ Dazu muss man wissen das die Lichtanlage im vergangenen Jahr aus 10 x 1kW Linsen bestand. Angeschlossen an einem Dimmerpack, gesteuert durch ein MA Lightcommander 12/2. Nichts großartiges, aber auf mehr Licht wurde zugunsten vom Ton verzichtet (Ja, mir tut der Satz in der Seele weh, aber so war es einfach). Deswegen die Überlegung wie wir mehr „bunt“ in die Sache reinbekommen; allgemein etwas installieren das den Namen „Lichtshow“ verdient hat. Die Überlegungen gingen dann von Wacklern, über eine Batterie von Pars und allen anderen möglichen und unmöglichen Dingen hin und her, aber der limitierende Faktor blieb einfach die Stromversorgung. Mitten im Wald stand uns ,nur‘ ein 50kVA Aggregat zur Verfügung. Da ist dann schnell mal Schluss mit Ton, Licht und Wurstwagen. Irgendwann kamen dann LED PARs in‘s Gespräch. Fluch und Segen zugleich, Segen wegen der geringen Stromaufnahme, wegen RGB und Wärme, Fluch wegen der Anzahl an DMX Kanälen und dem verfügbaren Lightcommander 12/2 der in Tests damit schnell an seine Grenzen stieß.

Alternative: Rechner gesteuert. Diese Alternative lag Nahe da mit dem der Hilfe des Systemhauses wirdreibei.de die Infrastruktur für eine Rechnerlösung kein Problem darstellte.

Grundsätzlich stand zu dem Zeitpunkt inzwischen fest dass wir keinen Dimmerpack mehr benutzen wollten, und die Beleuchtung komplett auf LED umstellen. Unklar war bis dato nur die Ansteuerung und Verkabelung. Da die LED PAR‘s mit einem durchgeschleiften DMX Signal arbeiten und es sehr unpraktisch ist eine Reihenschaltung über die gesamte Bühne und die Traversen zu ziehen, habe ich einen DMX-Splitter auf der Bühne eingeplant.

Nur wie kommt das Signal aus dem Rechner zum DMX Splitter?
Grundsätzlich eine USB2DMX Lösung und dann ein Kabel bis zum Splitter legen. Bei der Suche nach geeigneten USB Lösungen bin ich immer wieder über den Enttec ArtNet Node gestolpert. Warum eigentlich nicht? ArtNet als Standart sollte doch von einigen Software Lösungen gesprochen werden. Und ob ich dann ein DMX oder ein Outdoor Cat7 Kabel lege ist eigentlich egal. Das Netzwerkkabel war sogar die Präferenz weil wir darüber auch andere IP basierende Dienste zwischen FOH und Bühne realisieren konnten. Kabel? Warum eigentlich nicht gleich Kabellos? Was für einen Datenverkehr verursacht eigentlich ArtNet? Messungen im lokalen Netz ergaben eine recht geringe, aber konstant benötigte Bandbreite (Der Livebetrieb zeigte dann gewisse Probleme auf - dazu aber später mehr). Die anderen IP basierten Dienste wurden letztendlich dann als ,Spielerei‘ abgetan und nicht realisiert. Die Bandbreite spielte also keine Rolle mehr, der Weg war frei für eine ArtNet per WLAN Lösung.

Im Hintergrund stand dabei auch die Möglichkeit mit dem ArtNet Controller mobil zu sein, was besonders im Hinblick auf die DJ/Drummer Kombination am zweiten Tag des Festivals interessant erschien da die DJ‘s von der Bühne aus ihr Licht steuern wollten.

Lösungen die ich zu diesem Zeitpunkt in Betracht gezogen habe, war z.B. ein GrandMA Node in Verbindung mit einer GrandMAonPC, diese wurde aber aus Kostengründen und dem zugrunde liegenden Betriebssystem wieder verworfen.

Nach längerer Suche nach einer kostenlosen/kostengünstigen Lösung die auf MacOSX aufbaut (Apple Hardware stand zur Verfügung), und die ArtNet spricht bin ich dann über verschiedenste Softwarelösungen (z.B. CueLux) immer wieder auf DMXControl gestoßen. Alternativen wie z.b. LuminAir für iPhone/iPodtouch habe ich ebenfalls getestet aber für eine ,Lichtshow‘ nicht als praktikabel erachtet. Die iPad Version von Luminair wäre eine Option gewesen, war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht auf dem Markt.

Schweren Herzens habe ich also ein Microsoft Betriebssystem installiert (Testsystem war ein iMac, für die Show dann ein frisch installiertes, für DMXControl dediziertes Dell Notebook) und auch verschiedenste (kostenfreie sowie kostenpflichtige) auf Windows basierende ArtNet sprechende Lösungen ausprobiert.

Zu diesem Zeitpunkt ging es auch an die Hardwareseitige Umsetzung. Das System sollte einfach aufzubauen sein, möglichst schnell betriebsbereit und in einem Roadfähigem Case. Das sprach für ein 19“ Rack. In dieses Rack habe ich ein 19“ Ethernet Switch (falls später einmal andere Ethernet basierte Anwendungen oder z.B. ein Backup ArtNet Controller benutz wird), ein AccessPoint der ein WLan mit einem 10.0.0.0/8 Netz aufspannt, ein DMX-Merger der zwei DMX Signale zusammenführen kann (z.B. als rudimentäres BackUp mit einer DMX-Konsole falls die SoftwareLösung ausfällt), einem DMX-Splitter der das DMX-Signal auf 6 Anschlüsse aufteilt, besagtem Enttec ArtNet Node, und einen Stromverteiler eingebaut. Als Rack dient ein altes ausgemustertes Computergehäuse der Bundeswehr, das ich günstig bei eBay erstanden habe. Vorteil dieses Gehäuses: Spritzwassergeschütz (Beim Bund wird Spritzwasser anders definiert, das Teil schwimmt auch kurze Zeit...), stoßfest und der 19“ Rahmen ist schwingend gelagert.

Während die Hardwaretechnische Umsetzung Formen angenommen hat stand auch eine Entscheidung bei der Software an. Die Entscheidung für DMXControll hat dann ganz klar zwei Features ausgemacht: Midiinterface und vor allem die OSC Messages. Alle anderen Features standen erst einmal hinten an. Aber warum Midiinterface? Ganz klar - Ich bin ein Fadermensch. Und habe ein Behringer BCF 2000, also Motorfader. Und die will ich auch einsetzen. Weil es einfach so praktisch ist beim umschalten der Submasterbank den aktuellen Stand direkt auf den Fadern zu haben ohne irgendwas manuell nachregeln zu müssen (Ich habe DMXControl später dann so programmiert dass ich u.a. die Geschwindigkeit oder die ,Eigenschaften‘ von Effekten auf einem Fader hatte - aber dazu später mehr). Gut, das können andere Lösungen ebenfalls, aber OSC? Ist leider nicht selbstverständlich. Warum OSC? Die Idee dahinter war folgende: der DJ schickt mir eine OSC-Message von seinem Laptop DMXControl fängt diese ab und startet irgend ein Ereignis, ohne das der DJ die vollkommene Kontrolle über die Lichtanlage bekommt. Im Endeffekt war das also so geplant dass der Lichtler die Rahmenbedingungen für Effekte einstellt (Anzahl der PARs, Farbe, Geschwindigkeit,..) und der DJ kann dann recht einfach und unkompliziert diesen Effekt starten. Ohne dass er damit z.b. den Rest der Bühne ins Dunkel stellt AUch ganz praktisch: man kann die Dauer vom Nebel, Strobo, etc. limitieren :D.

Benötigt wird dafür nur ein OSC Message Sender. Nach etwas suchen und nach einem Tipp von einem Freund (Danke FloDo!) wurde ich auf TouchOSC aufmerksam. TouchOSC kostet derzeit 3,99€ im AppStore, läuft auf dem iPhone/iPod Touch/iPad und hat ein vollkommen beliebig definierbares Interface (kann man bequem am Rechner zusammenklicken und dann auf das mobile Gerät übertragen) und stellt ON/OFF-Schalter, Fader, Drehregler, etc. zur Verfügung. Und das war ein Traum. Ein Gerät mit einem Multitouchscreen, portabel, per WLan angebunden und einer sinnvollen Displaygröße zum Steuern.

Nach langen, ein wenig frustrierenden Kämpfen mit dem OSC Plugin von DMXControl (Viel ausprobieren und ein sehr altes Youtubevideo (Danke an R3dDr46On ) halfen) gelang dann die Kopplung des iPads/iPhones an DMX Control. Nach etwas basteln mit dem Midiinterface funktionierte auch das Feedback auf die Motorfader, d.h. wenn man Fader 1 auf dem iPad regelt, fährt der Fader 1 auf dem Boad mit. Sehr schön, lief auch recht zuverlässig (keinerlei Aussetzer). Wenn man allerdings den Fader auf dem Board bewegt gibt es kein optisches Feedback auf dem steuernden OSC Gerät - was oftmals für Verwirrung gesorgt hat („Da schau, der ist an, warum leuchtet der nicht?“). Auch hier gab es kostenlose Abhilfe mouse2osc - ein Tool das MIDI Befehle in OSC Messages verwandeln kann und dann an eine IP-Adresse schickt. Damit (und mit ein wenig Fleißarbeit zum übertragen von allen Midi/OSC Zuordnungen) war auch das Visuelle Feedback auf dem iPad/iPhone (Da man das Gerät per IP anspricht und kein Multicast möglich ist beschränkt sich das Feedback auf ein Steuergerät) da.


Was wir also bis jetzt haben:

Steuerung 1:
iPad/iPhone steuert via OSC Messages DMX-Control.
DMXControl generiert daraus DMX und MIDI Werte.

Steuerung 2:
BCF2000 steuert via MIDI DMX-Control.
DMXControl generiert daraus DMX und MIDI Werte.


Andauerndes Feedback:
Die MIDI Werte regeln als Feedback die Fader auf dem BCF2000
Mouse2OSC schickt Feedback OSC Messages aus den MIDI Werten an das iPad.


DMXControl genertiert aus allen DMXWerten ArtNet.
ArtNet wird an einen ArtNet Node übertragen.
Dort wird auf ein DMX Signal umgewandelt.
Das DMX Signal wird über einen Merger und einen Splitter in die DMX Verkabelung eingespeißt.
Die LED‘s tun das was ihnen befohlen wurde :)


Zum DMXControl Laptop:
Einfaches Windows XP SP3, blanko Installation, ohne Schnickschnack, mit Stresstest Tools vorher auf Stabilität geprüft. An dem Laptop hängt ein Touchscreen auf dem Hauptsächlich die Submaster, die Commandobox und das Beattool offen waren. Auf dem Display des Laptops wurde die Kanalübersicht, der Windows Taskmanager und die Stärke der WLan Verbindung dargestellt.

Laptop und Monitor wurden auch in ein Case verpackt und road tauglich gemacht.


Probleme die wir beim Aufbau hatten:
Es war das erste Software gesteuerte Projekt, von daher fehlte es an allen Ecken und Enden an Erfahrung.
Das war das erste Projekt mit DMXControl. Auch wenn die Hilfe sehr gut ist (wirklich!) und das Wiki viele Informationen bereit hält braucht man besonders beim OSC Plugin noch sehr viel Entdeckergeist.
Eigentlich hatte ich keinerlei Probleme die nicht laut den Vorschauvideos im Adventskalender ab der Version 3.0 behoben sind :D

Probleme die wir im Live Betrieb hatten:
Hohe Prozessorlast - Obwohl der Rechner einzig und allein für DMX Control eingesetzt wurde kam es immer wieder zu Hängern und Momenten bei dem der Rechner kurz vor dem einfrieren war.
Deswegen: unbedingt Multicore, besonders wenn nebenher noch ein ArtNet Tool oder ähnliches läuft.
OSC Plugin ist instabil.
Das iPad hat während des Abends mehrfach die Verbindung zum DMXControl verloren und konnte im besten falle reaktiviert werden indem man das OSC Plugin kurz stoppte und wieder startete, bzw alles was mit OSC zu tun hatte zugemacht hat und wieder auf.
DMX Werte bleiben dabei stehen was sehr interessant ist weil bei uns z.B. das Stroboskop geblitzt hat bis mit der Maus in der Kanalübersicht der Kanal manuell heruntergefahren wurde.
DMXControl wurde einmal unerwartet beendet und für eine Minute blieb natürlich das Licht stehen.
Technische Probleme waren z.b. die Netzanbindung wenn sich sehr viele Handys/Mobilgeräte versuchen in das WLAN einzuloggen (es haben insgesamt 350 Geräte versucht eine Verbindung herzustellen, bei 1100 Gästen bedeutet das dass ein drittel der Gäste ein Handy mit WLan Funktion dabei hatte!!)
Abhilfe hat das verstecken der SSID gebracht.

Wünsche meinerseits an DMXControl:
OSC Funktionalität ausbauen!
OSC Funktionalität ausbauen!
OSC Konfiguration vereinfachen (z.b. Zeilen kopieren, Werte wie 0 und 255 als Default reinschreiben...)
Stabilität verbessern.
Prozessorlast senken.

Fazit:
DMXControl Rockt! Und wie. Zugegeben es war ein sehr komplexer Aufbau dafür dass es das erste mal war das die Software bei uns zum Einsatz kam, aber die Mühen haben sich absolut gelohnt! Und alle aufgetretene Probleme waren absolut beherrschbar.
Ich kann es nur Empfehlen!
Es wird definitiv nicht das letzte mal sein dass diese Software sich hier im Livebetrieb beweisen muss.
Vielen Dank an all die Menschen die solch ein Projekt möglich machen!

Sebastian Ehinger

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